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Presse

Frau Prof. Dr. Klärle
Frau Prof. Dr. Klärle
Wald-Michelbach/Odenwald. Den Stand der planerischen Vorgaben zu möglichen Windstandorten trug Diplom-Ingenieur Rainer Rößler vom Kreis Bergstraße bei der Teilregionalkonferenz in Wald-Michelbach vor. Dabei ist der Entwurf der Landesentwicklungsplanung (LEP) im Fortschreibungsprozess. Ursprünglich sollte er im Frühjahr 2013 dem Landtag zur Abstimmung vorgelegt werden. Doch bei bis dato rund 700 Anregungen und Bedenken ist ein zweiter Durchgang im Aufstellungsverfahren nicht mehr auszuschließen.

 

Für Hessen gelten danach folgende wichtige Kriterien für Windkraftstandorte: der Abstand zu geschlossenen Siedlungen sollte mindestens 1000 Meter betragen. Naturschutzrechtlich relevante Flächen sind auszuschließen. Und die Anlagen sollen in Form von Windparks gebündelt werden. Die kommunale Zusammenarbeit, die Teilhabe an der Wertschöpfung ist zu unterstützen.

 

Im Kreis Bergstraße wird in Standorte mit Windgeschwindigkeiten von mindestens 5,75 Metern pro Sekunde in 140 Metern Höhe und in Standorte zwischen 5,5 und 5,75 Meter pro Sekunde unterschieden. Sie werden eingeteilt in "prioritäre Potentialfläschen" (vor allem im Odenwald) und in "nachgeordnete Suchräume". Die Ergebnisse des Landesentwicklungsplanes fließen in die Regionalplanung und damit in die kommunale Planung der Flächennutzungspläne ein.

 

In Baden-Württemberg sind die Vorgaben bezüglich der Windkraft "liberaler". Hier werden beispielsweise Abstände von nur 750 Metern zu Siedlungen vorgeschrieben. In Hessen ist das Planungsziel die Ausschlusswirkung. In Baden-Württemberg werden aktiv Vorrangflächen ausgewiesen: was übrig bleibt, ist Ausschlussfläche. mk.

 

Publikum
Publikum
Wald-Michelbach/Odenwald. So deutliche Worte, so klare Aussagen zum Ertrag bei der Nutzung Erneuerbarer Energien waren bisher bei Bürgerversammlungen und Informationsveranstaltungen im Odenwald selten zu hören. Als Versuchsballon und im Auftrag des Kreistages organisierte der zuständige Umweltdezernent Matthias Schimpf die Abhaltung der ersten Teilregionalkonferenz für das Gebiet Odenwald.

 

Prof. Dr. Martina Klärle, die Leiterin des Forschungsprojektes "ERNEUERBAR KOMM!" von der Fachhochschule Frankfurt am Main, stelle die von iherer Einrichtung für den Kreis Bergstraße und alle Einzelkommunen erstellte Studie en detail vor. Zusammenfassend und vereinfacht ist zu sagen: insbesondere durch die Nutzung der Windenergie können die Gemeinden nicht nur ihren eigenen Strombedarf zum Teil weit über 100% decken. Die können über die Einspeisevergütung auch noch richtig Geld damit verdienen, Millionenbeträge pro Jahr generieren. Nachzulesen ist dies alles im eigens erstellten "Online-Rechner", dem Potential-Rechner, wo nach Belieben je nach Einsatz und Zahl der verschiedenen Energieträger nachgerechnet werden kann.

 

Informationen liefern

 

Matthias Schimpf stellte aber in seinen Begrüßungsworten dar, dass es bei solchen Regionalkonferenzen nicht um das "Anpreisen einer speziellen Energieform" geht, sondern um Information für Entscheidungsträger in den Kommunen und Bürger:"Die Wertungen sollen in den Kommunen und den Gremien getroffen werden." Dementsprechend gut war die Teilregionalkonferenz von Bürgermeistern und Gemeindevertretern von Wald-Michelbach über Birkenau bis Rimbach besucht.

 

Natürlich gab es auch sehr kritische Stimmen. So wurde die Effizienz der Windenergie beziehungsweise die Datengrundlage angezweifelt. Was die Windhöffigkeit (das Windaufkommen) betrifft, wurden vorwiegend die Zahlen vom TÜV SÜD herangezogen, der sich auch auf Daten des Wetterdienstes bezieht. Klärle räumte in der Diskussion ein, dass es keine flächendeckenden Daten für eine Höhe von 140 Metern gibt, aber Laster-gestützte Einzelmessungen.

 

Aussagen, nach denen die Investitionen in Erneuerbare Energien schlichtweg zu teuer seine, die Versorgungssicherheit mangels Speichertechnik schlichtweg nicht zu gewährleisten sei, wurden zum Teil von Versammlungsteilnehmern selbst widerlegt:"Hierzu müssten auch die staatlichen Subventionen für den Nutzen konventioneller Energieträger in die Rechnung mit einbezogen werden." Die Referentin Klärle selbst zeigt sich davon überzeugt, dass das Ziel, den Energiebedarf bis 2050 zu 100% aus Erneuerbaren Energien zu decken, erreicht werden kann:"Heute schon können wir produzieren. Der Versorgungsgrad sollte im Jahr 2040 erreicht sein."

 

Extrem ertragreich

 

Grundsätzlich, so schickte sie ihren Ausführungen voraus, "ist die Windenergie im Vergleich zu anderen Formen Erneuerbarer Energien extrem ertragreich und wirtschaftlich". Das gelte auch für den Flächenbedarf. Bei einem Windpark mit modernen Anlagen mit einer Leistung zwischen 3,5 und 4,5 Megawatt würden etwa 10 Hektar benötigt. Abgesehen von der Fundamentfläche kann die gesamte Fläche rund um eine Windkraftanlage land- und weidewirtschaftlich genutzt werden.

 

Von Bedeutung in der Argumentationskette ist auch immer wieder der Nutzen, der für die Kommunen und ihre Bürger bei gemeinschaftlichem Vorgehen oder für die Bürger bei genossenschaftlicher Nutzung abfällt. Dazu sagte Schimpf vorab, dass nach Abhaltung aller Teilregionalkonferenzen alle Bürgermeister zu weiteren Beratungen eingeladen werden. Und auch im Online-Rechner ist nachzuschauen, wie sich Deckungsgrad und Ertrag steigern, wenn sich Kommunen zusammenschließen.

 

"Der Wind macht nicht an Gemarkungen halt", lautet die dazu immer wieder zitierte Weisheit. Flächen mit hoher Windhöffigkeit befinden sich im Lautertal zu den Gemarkungsgrenzen Heppenheim und Bensheim nin, in Fürth an der Gemarkungsgrenze nach Reichelsheim und Grasellenbach, auf der Tromm mit den Gemarkungsgebieten Grasellenbach, Fürth, Rimbach im südlichen Bereich von Wald-Michelbach (Schönmattenwag) und im Bereich von Hirschhorn. mk.