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2. Sitzung vom 01.07.2014

Protokoll über die 2. Sitzung des Infoforums Biblis
am Dienstag, dem 01.07.2014, 17.00 Uhr,
im Bürgerzentrum Biblis

 

 

Sitzungsbeginn: 17.00 Uhr

 

Anwesende: siehe Teilnehmerliste

 

Entschuldigt: - Landtagsfraktion, Herr MdL René Rock- Kreisverwaltung Alzey-Worms, Herr Hans-Jürgen Loos- Stadt Worms, Herr Joachim Knopp

 

1. Begrüßung (Verabschiedung der Tagesordnung)

 

Kreisbeigeordneter Matthias Schimpf eröffnet um 17.00 Uhr die Sitzung und begrüßt die Mitglieder des Gremiums, ca. 50 Zuhörer und die Vertreterinnen und Vertreter der Presse.
Solange niemand widerspricht, sind Bild- und Tonaufnahmen zulässig.
W-LAN kann im Veranstaltungsraum nicht angeboten werden.
Ab der nächsten Sitzung werden auch für die Zuhörer Tische zur Verfügung gestellt.
Anträge zur Änderung der Tagesordnung werden nicht gestellt.

 

Abweichend vom Verfahren in der letzten Sitzung erhalten auch die Zuhörer die Möglichkeit, unmittelbar nach den Fachvorträgen Fragen zu dem jeweiligen Themenbereich zu stellen.

 

Allgemeine Informationen, Sitzungstermine und Einladungen, Vorträge, Protokolle und sonstige für die Öffentlichkeit vorgesehenen Unterlagen sind auf der Homepage des Kreises Bergstraße unter folgender Adresse, www.kreis-bergstrasse.de einsehbar.
Es wird beantragt, soweit Unterlagen bzw. Präsentationen für Fachvorträge erstellt werden, diese möglichst vor der Sitzung an die Mitglieder des Gremiums zu verteilen.

 

Einwendungen zum Protokoll vom 27.05.2014 werden nicht erhoben.
Das Protokoll ist damit genehmigt.

 

TOP 2 Informationen von RWE/ Ministerium

 

TOP 2.1 Freimessung/Freimessungsgrenzen 10-Mikrosievert-Konzept für ionisierende Strahlung

 

Herr Dr. Kraus stellt das 10-Mikrosievert-Konzept für ionisierende Strahlung anhand der eingefügten Präsentation dar. Er erläutert die Ableitung der atomrechtlichen Grenzwerte und des 10-Mikrosievert-Werts aus den epidemiologischen Studien und vergleicht diese Werte mit Strahlenexpositionen, die durch die Natur und die medizinische Anwendung entstehen.

 

Präsentation "Das 10 Mikrosievert-Konzept"

 

Zusammenfassend wird festgestellt, dass Materialien unterhalb des 10-Mikrosievert-Werts (Jahreswert/Einzelperson) atomrechtlich unerheblich sind und außer Acht gelassen werden können. Solche Materialen befinden sich außerhalb des Atomrechts und unterliegen somit keinerlei Strahlenschutzregelungen, dementsprechend sind in diesem Bereich auch keine behördlichen Kontrollen vorgesehen.

 

Der 10-Mikrosievert-Wert entspricht einem vom Gesetzgeber als unerheblich und zumutbar bewerteten, allgemeinen Lebensrisiko, das die Gesellschaft zu tragen hat. Er wurde festgelegt in Analogie zu anderen technischen und zivilisatorischen Einwirkungen auf den Menschen und entspricht in seiner Höhe den dort als unerheblich angesehenen Risiken. Die Festlegung eines zumutbaren Risikos und der daran hängenden Unerheblichkeitswerte wie z.B. des 10-Mikrosievert-Werts können durchaus als willkürlich bzw. politisch festgelegte Größen angesehen werden.

 

Nachfolgend beantwortet Herr Dr. Kraus Fragen des Informationsforums und der Zuhörerinnen und Zuhörer.

 

- Der Vergleich mit den Zigaretten wird kritisiert, da auf jeder Zigarettenschachtel Warnhinweise aufgebracht werden müssen, während dies für freigemessene Gegenstände, wie z.B. Metalle, die hinterher als Bratpfanne in den Handel kommen, nicht der Fall ist. - Außerdem wird nach dem Zeitfaktor für die Dosiswerte gefragt.

 

Der Unterschied zur Zigarette liegt gerade darin, dass diese vom Gesetzgeber als potentiell schädlich eingestuft wird und folgerichtig mit Warnhinweisen zu versehen ist, freigegebenes Material unterhalb des 10-Mikrosievert-Werts dagegen nicht.

 

Die im Vortrag angegebenen Dosisgrenzwerte und der 10-Mikrosievert-Wert als untere Schwelle des Atomrechts sind grundsätzlich Jahreswerte zum Schutz der Einzelperson.

 

Ein zusätzliches Kriterium zum Schutz von Mensch und Umwelt im Hinblick auf eine Vielzahl von Freigabeentscheidungen stellt die Begrenzung der Kollektivdosis dar. Die Kollektivdosis, angegeben in Personen-Sievert, errechnet sich aus dem Produkt der Anzahl der Personen, die von der Strahlung betroffen sein können, und der Höhe der Strahlenexposition der einzelnen Personen. Sie ist ein zusätzliches Korrektiv zum 10-Mikrosievert-Konzept und trägt mit der Festlegung einer Obergrenze der Gesamtbelastung zu einer weiteren Beschränkung der Freigabe bei. Die Freigaberegelung ist so konzipiert, dass auch bei einer Inanspruchnahme aller zugelassenen Verwertungs- und Beseitigungspfade das Kriterium der Einhaltung einer Kollektivdosis von 1 Personen-Sievert pro Jahr erfüllt ist.

 

Die Freigabewerte, auf deren Grundlage Material freigegeben und damit aus dem Atomrecht entlassen wird, sind so berechnet, dass beide Kriterien sicher eingehalten werden.

 

- Gibt es Hochrechnungen für das Erkrankungsrisiko nach dem 10-Mikrosievert-Konzept und wird dieses Konzept fortgeschrieben?

 

Das Risiko einer Erkrankung aufgrund einer Exposition durch ionisierende Strahlung wird durch Dosis-Risiko-Koeffizienten beschrieben, die aus der wissenschaftlichen Auswertung epidemiologischer und zellbiologischer Studien gewonnen werden (z.B. Life Span Study). Die Ergebnisse dieser Studien werden von der internationalen Strahlenschutzkommission (International Commission on Radiological Protection, ICRP) fortlaufend neu bewertet. Die ICRP bringt dazu regelmäßig Empfehlungen heraus, die dann vom Gesetzgeber (EU, Bund) zur Überprüfung und Aktualisierung des atomrechtlichen Regelwerks herangezogen werden. In der letzten ICRP-Empfehlung aus dem Jahr 2007 wurde beispielsweise der maßgebliche Risiko-Koeffizient für die effektive Dosis aufgrund neuer Erkenntnisse von 5,6 % pro Sievert auf 4,2 % pro Sievert abgesenkt (1 Sievert = 1.000.000 Mikrosievert).

 

Die ICRP weist regelmäßig und ausdrücklich darauf hin, dass Dosis-Risiko-Koeffizienten und das Konzept der Kollektivdosis nicht dazu verwendet werden dürfen, durch die Multiplikation sehr kleiner potentieller Risiken (z.B. Strahlenexpositionen im Bereich weniger 100 -1.000 Mikrosievert) mit sehr großen potentiell betroffenen Personengruppen (z.B. die gesamte Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland) rechnerisch Erkrankungs- oder Todesfälle zu prognostizieren. Solche Rechnungen sind unwissenschaftlich und unseriös, weil das Konzept dafür aus rein statistischen Gründen ungeeignet ist.

 

- Es wird bemängelt, dass im Vortrag nicht der gesamte Zerfallsprozess dargelegt wurde.
Radionuklide haben eine Zerfallskette, wodurch sich durchaus auch eine Verdoppelung der Strahlendosis ergeben könnte und dadurch ein Einhalten der 10-Mikrosievert-Grenze bezweifelt wird.

 

Zerfallsketten spielen überwiegend im Bereich der natürlichen Radioaktivität eine Rolle. Die maßgeblichen Leitnuklide beim Abbau und der Entsorgung von KKW (z.B. Co-60) haben dagegen keine Zerfallsketten, weil sie direkt in stabile Nuklide zerfallen. Unabhängig davon sind aber physikalische Zerfallsketten bei allen gesetzlichen Werten vollständig berücksichtigt. Eine unbeabsichtigte oder nicht erkannte Unterschätzung der Dosis kann deshalb nicht auftreten.

 

- Es wird befürchtet, dass bei der Freigabe einer Gitterbox mit 10-Mikrosievert eine Summierung im Laufe des Tages bzw. in der gesamten Rückbauzeit stattfindet und dadurch die Gesamtbelastung wesentlich höher ist als angegeben.

 

Der Gesetzgeber hat die Freigabewerte, auf deren Grundlage Material freigegeben und damit aus dem Atomrecht entlassen wird, so berechnet, dass sowohl der 10-Mikrosievert-Wert als auch das bereits genannte zusätzliche Kriterium der Kollektivdosis sicher eingehalten werden. Dabei wurden z.B. konservative Annahmen über Aufenthaltszeiten potentiell betroffener Personen (z.B. Deponiearbeiter) in der Nähe von freigegebenem Material gemacht. Mögliche Belastungen durch eine Aufnahme von Radioaktivität in den Körper wurden in der Form berücksichtigt, dass die potentielle Folgedosis für Erwachsene auf 50 und für Kinder auf 70 Jahre hochgerechnet wurde. Es wurde weiterhin berücksichtigt, dass es nach der Freigabe an keinem Ort in der Republik durch Materialansammlungen zu Überschreitungen des 10-Mikrosievert-Werts kommen kann (analog: Kollektivdosis).

 

Bei der Freimessung werden klare, sachlich neutrale Angaben aus dem Ministerium erwartet und keine Weiterverwendung von internen RWE-Daten.

 

Im Freigabeverfahren hat RWE die betroffenen Materialien zu charakterisieren und durch geeignete Messwerte zu beschreiben. Diese Angaben werden nachfolgend von der Behörde und den zugezogenen Sachverständigen unabhängig bewertet und überprüft. Dazu gehören auch behördliche Stichprobenmessungen.
Nur bei Einhaltung der Freigabewerte und der ergänzenden Festlegungen erteilt die Behörde die Freigabe und entlässt die Materialen aus dem Atomrecht (10-Mikrosievert-Konzept).

 

Nach einer solchen ordnungsgemäßen Entlassung hat die Behörde keine Rechtsgrundlage und auch keine Veranlassung für weiterführende Messungen oder Maßnahmen zu diesen Materialien.

 

Es wird befürchtet, dass es zu einer Aufsummierung kommt und die Freimessung in der Praxis nicht funktioniert, so dass ein effektiver Bevölkerungsschutz nicht gewährleistet werden kann.

 

Siehe oben: Der Gesetzgeber hat die Freigabewerte, auf deren Grundlage Material freigegeben und damit aus dem Atomrecht entlassen wird, so berechnet, dass sowohl der 10-Mikrosievert-Wert als auch das bereits genannte zusätzliche Kriterium der Kollektivdosis sicher eingehalten werden. Bei der Festlegung dieser Werte wurden konservative Annahmen gemacht über zu erwartende Reststoff- und Massenströme und auch für die bevorstehenden Rückbaumaßnahmen von Kernkraftwerken. Diese Vorgehensweise entspricht dem internationalen Stand von Wissenschaft und Technik, die Freigabewerte entsprechen den internationalen Empfehlungen.

 

Im konkreten Freigabeverfahren werden auch sämtliche Vorbelastungen des Standorts mitgeprüft, so dass immer ein Gesamtwert vorliegt. Für Deponien gelten dementsprechend Massenbilanzen. Die Freigabe bedeutet folglich auch keinen Verlust der Kontrolle, weil es auch über Massenflüsse nicht zu punktuell Belastungen oberhalb des 10-Mikrosievert-Werts kommen kann.

 

- An dem Vortrag wird bemängelt, dass die Ergebnisse der Gesellschaft für Schwerionenforschung in Darmstadt nicht berücksichtigt worden seien und die vorgetragenen Ergebnisse nicht dem aktuellen Stand der Forschungen entsprechen würden. Die Krebsrate würde auch bei Niedrigstrahlung ansteigen.

 

Die vorgetragenen Behauptungen werden zurückgewiesen. Die Forschungsergebnisse der GSI seien selbstverständlich bekannt, insbesondere im Bereich der Schwerionentherapie. Es gebe keinerlei Forschungsergebnisse der GSI, die die vorgetragenen Behauptungen stützen.

 

Das Ministerium richtet sich bei seinen Bewertungen und Beurteilungen nach den Empfehlungen der Strahlenschutzkommission (SSK) und der Internationalen Strahlenschutz-kommission (ICRP), die den Stand von Wissenschaft und Technik zur Strahlenwirkung darstellen, und den darauf aufbauenden gesetzlichen Regelungen. Das LNT-Modell (linear no threshold - jeder noch so kleinen Dosis wird eine Wirkung zugeschrieben) ist demnach das bestmögliche zur Beschreibung der epidemiologischen und zellbiologischen Daten, resp. der Wirkung ionisierender Strahlen. Das LNT-Modell ist von starker Konservativität insbesondere bei niedrigen Dosiswerten, wie sie im vorliegenden Verfahren zu bewerten sind.

 

- Es wird eine unabhängige, zeitnahe Messung in kürzeren Zeitintervallen als
1 Std. gefordert.

 

In der näheren Umgebung rund um das KKW Biblis wird die Ortsdosisleistung an 16 Stellen permanent behördlich gemessen (Hessisches Kernkraftwerk-Fernüberwachungssystem, siehe TOP 2 Umgebungsüberwachungsprogramm). Diese Messungen erfolgen im 10-Minuten-Takt und werden zu einem radiologisch sinnvollen Stundenwert umgerechnet. Die Messergebnisse werden automatisiert ausgewertet und lösen beim Überschreiten festgelegter niedriger Schwellenwerte eine sofortige behördliche Überprüfung aus.

 

TOP 2.2 Umgebungsüberwachungsprogramm

 

Dr. Emrich stellt anhand einer Präsentation das Umgebungsüberwachungsprogramm dar.
Die im Anschluss gestellten Fragen wurden im Wechsel durch Herrn Dr. Emrich und Herrn Finke beantwortet.

 

Präsentation "Umgebungsüberwachung für das KKW" (2MB)

 

Für die Umgebungsüberwachung wird festgestellt, dass die Messergebnisse in Form von Jahres- und Quartalsberichten über die angegebenen Internet-Links öffentlich zugänglich und einsehbar sind.

 

Im Weiteren wurde ein Überblick über die Messstellen der Kernreaktor-Fernüberwachung gegeben, die die Ortsdosisleistung mit vier Messstellen am Kraftwerkszaun und mit 12 weiteren Messstellen in einem Radius von etwa drei km um die Anlage erfassen. Diese Ergebnisse stehen nicht online zur Verfügung.

 

Im Bereich von 10 km bis 25 km werden die Ortsdosisleistungsmessungen durch weitere 21 Sonden des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) ergänzt, die im Rahmen des Strahlenschutzvorsorgegesetzes betrieben werden. Zeitliche Verlaufskurven sind als Stundenwerte für die letzten sieben Tage und als Tagesmittelwerte für die letzten 12 Monate im Internet veröffentlicht.

 

- Es wird bemängelt, dass in dem Vortrag nicht herausgestellt wurde, dass die Umgebungsüberwachung im laufenden Betrieb der Anlage nicht vergleichbar mit den Anforderungen aus dem Rückbau ist, da es sich um den Abriss einer hochradioaktiv verseuchten Anlage handelt, wobei durch Sägen, Schweißen, Bohren, Hämmern unkontrolliert hochgiftiges Material freigesetzt wird.

 

Die Umgebungsüberwachung ist in den Genehmigungsanträgen zur Stilllegung und Abbau der Anlagen beantragt und wird aktuell geprüft.

 

Für den Rückbau gelten vergleichbare sicherheitsrelevanten Voraussetzungen wie beim früheren Leistungsbetrieb, d.h. die Anlage wird hinsichtlich der Einhaltung von Grenzwerten überwacht und es dürfen keine radioaktiven Stoffe unkontrolliert und oberhalb der Grenzwerte freigesetzt werden. Sollten Grenzwerte überschritten werden, wird die atomrechtliche Aufsichtsbehörde eingreifen und ggf. die Abbaumaßnahmen einstweilen – wie im Atomgesetz vorgesehen – einstellen.

 

Die Verfahrensabläufe wären vergleichbar mit dem Beispiel „Erneuerung der Dübel“. Auch in diesem Fall erfolgte eine sofortige Unterbrechung des Leistungsbetriebes, bis die Mängel beseitigt wurden. Dabei erfolgte die Erneuerung der Dübel unter enger behördlicher Überwachung.

 

Sollten sich beim Rückbau neue Erkenntnisse ergeben, wäre zu überprüfen, ob ggf. ein neues Genehmigungsverfahren, unter Umständen auch mit Öffentlichkeitsbeteiligung, anzustreben bzw. erforderlich ist.

 

Der Bevölkerungsschutz ist durch die Überwachung der Grenzwerte sicher-gestellt. Es wird sowohl innerhalb wie auch außerhalb des Zauns gemessen. Die atomrechtliche Aufsichtsbehörde überwacht auch die Strahlenbelastung des Personals. Dem Betreiber obliegt die Verpflichtung, diese Belastung durch geeignete Maßnahmen ständig zu minimieren. Dies gilt auch für den Rückbau. Die Anlage wird ständig durch die atomrechtliche Aufsichtsbehörde auf Einhaltung der Werte überprüft. Es werden Sachverständige hinzugezogen, die ergänzende Messungen durchführen. Im Übrigen wird auf die Werte von RWE zurückgegriffen. Außerdem besteht durch das Fernüberwachungssystem Zugriff auf die Anlage, so dass die atomrechtliche Aufsichtsbehörde stets über Emissionen in Abluft und Abwasser informiert ist. Damit wird die Anlage als solche ständig überwacht und die RWE-Angaben werden systematisch überprüft.

 

Zum Rückbau von Messstellen teilt RWE mit, dass zusätzliche und nicht behördlich geforderte Messstellen zurückgebaut wurden .Hierbei wurden lediglich ein freiwilliges Messhaus in Ibersheim und zwei alte Messstellen in Biblis, die nicht mehr in Betrieb waren, zurückgebaut. Die vom Regelwerk vorgeschriebenen Messstellen werden nach dem aktuellen Stand der Technik weiterbetrieben.

 

Ergänzend zu den Kurzvorträgen wird mitgeteilt, dass die Ergebnisse für sämtliche Emissionen, wie auch für Jod und Edelgase, vorliegen.

 

In dieser Hinsicht wird mehr Offenheit gegenüber der Bevölkerung gefordert. Die Werte sind im Jahresbericht nachzulesen.
Die Umgebungsüberwachung beinhaltet auch Aerosole (Jod), Tritium im Abwasser und Neutronen.
Jod spielt nach der Abschaltung der Anlage keine Rolle mehr. Insofern stellt sich die Frage nach der weiteren Notwendigkeit von Jodtabletten.

 

- Welche Sachverständigen unterstützen das Ministerium?

 

Ein Konsortium aus TÜV Nord und Süd unterstützt die Fachbehörde. Ob die Namen der beteiligten Sachverständigen veröffentlicht werden können, wird geprüft.

 

Zu den bisherigen Vor-Ort-Kontrollen durch Behörde und Sachverständigen wird mitgeteilt, dass nach den Erfahrungen der letzten 10 Jahre Mitarbeiter des Ministeriums etwa einmal in der Woche vor Ort sind. Betriebsbegehungen finden durchschnittlich mindestens einmal im Monat statt, so dass in etwa drei Jahren die gesamte Anlage überprüft ist.

 

Aus Zeitgründen werden die Vorträge Erdbebensicherheit / Sicherheit bei Flugzeugabstürzen vertagt.

 

Das Gremium beschließt auf Vorschlag des Vorsitzenden folgenden Antrag:

 

Die Genehmigungsbehörde ist aufzufordern, darauf zu achten, dass im Rahmen des Rückbaus das Netz der Messstellen nicht verringert wird und sämtliche Messergebnisse online gestellt werden.

 

Der Antrag wird einstimmig angenommen.

 

TOP 3 Hinweise / Fragen zum Ende der öffentlichen Auslegungsfrist am 04.07.2014

 

Einwendungen können bis Freitag, den 04.07.2014, 24.00 Uhr, beim Ministerium, der Geschäftsstelle oder der Gemeinde Biblis eingereicht werden. Dabei handelt es sich um eine Ausschlussfrist. Später eingehende Einwendungen können nicht mehr berücksichtigt werden. Die Einwendung muss schriftlich in Papierform mit Begründung erfolgen. Dies ist auch per Fax möglich, nicht jedoch per E-Mail. Nach den bisherigen Erfahrungen ist davon auszugehen, dass die Erörterung öffentlich sein wird. Zuschauer können daran teilnehmen, haben jedoch kein Rederecht. Dieses besteht nur für zugelassene Einwender.

 

- Es wird nachgefragt, ob Fragen zu den Kosten des Rückbaus und der Einrichtung eines Katasters für radioaktive Abfälle auch im Rahmen einer Einwendung gestellt werden können.

 

Es wird grundsätzlich die Empfehlung gegeben, im Interesse des Rechtsschutzes Einwendungen jeglicher Art mit entsprechender Begründung einzureichen. Im Rahmen der Erörterung wird die Zulässigkeit geprüft, so dass im Fall der Ablehnung der Rechtsweg offen steht.

 

Zum Kataster für radioaktive Abfälle teilt RWE mit, dass im Rückbauantrag sämtliche Reststoffe, für deren ordnungsgemäße Beseitigung das Atomgesetz klare Regelungen vorsieht, dargelegt sind. Es sind ausreichend Rücklagen gebildet. RWE ist verantwortlich für den Rückbau und die Abfallbeseitigung. Die Frage der Endlagerung liegt in Staatsverantwortung.

 

- Es wurde die Frage nach einem erhöhten Messwert der Radioaktivität an der Stadt Worms/Kläranlage gestellt.

 

Recherchen haben ergeben, dass es einen einmalig auffälligen Messwert bei einer Messstelle in Worms (20-facher Wert bei einer von vier Messstationen in Worms) gab. Es handelte sich um ein technisches Problem. Radiologische Ursachen aus Biblis sind ausgeschlossen.

 

Präsentation "Auffälliger Messwert im RFÜ Worms am 24.04.2014" (732 KB)

 

- Es wird eine Veröffentlichung der Höchst- und nicht der Mittelwerte gefordert. Außerdem sollten aufgrund des komplexen Themas abweichend von der Geschäftsordnung außer Fragen auch Statements zugelassen werden.

 

Kreisbeigeordneter Matthias Schimpf weist darauf hin, dass er dies bereits in der heutigen Sitzung so praktiziert hat, so dass abweichend von der Geschäftsordnung Fragen und Statements auch für Zuhörer im Laufe der Sitzung zu den jeweiligen Fachvorträgen und nicht erst wie ursprünglich vorgesehen lediglich Fragen unter TOP 4 der Tagesordnung möglich waren.

 

Zur Sitzungsvorbereitung wird empfohlen, Fragen vorab per E-Mail an die Geschäftsstelle oder das Ministerium zu schicken.

 

- Es wird gefragt, ob RWE mit Sanktionen bei Grenzwertüberschreitungen rechnen muss?

 

Es gibt keinen Bußgeldkatalog für solche Fälle. Einzelne Überschreitungen im 10-Mikrosievert-Bereich würden ohnehin nicht darunter fallen. Praktische Erfahrungen gibt es bisher nicht.

 

Die Mitglieder des Gremiums sind zu informieren, sobald das Protokoll fertiggestellt und auf der Homepage des Kreises Bergstraße veröffentlicht ist.

 

Die nächste Sitzung ist für Oktober 2014 vorgesehen.

 

Sitzungsende: 19.58 Uhr

 

Matthias Schimpf
Kreisbeigeordneter

 

Felix Kusicka
Bürgermeister

 

Für das Protokoll:

 

Manfred Wohlgemuth
Peter Meister
Marion Müller-Reibenspiess

 

Teilnehmerliste

 

Name

 

Organisation / Institution

 

Matthias Schimpf

Kreis Bergstraße

Felix Kusicka

Gemeinde Biblis

Norbert Schmitt

MdL (SPD)

Bruno Schwarz

Die Linke

Volker Ahlers

Atomerbe Biblis e.V.

Franz Beiwinkel

DGB Bergstraße

Martin Proba

IHK Darmstadt

Dirk Müller

Regionalbauernverband

Markus Wolter

NABU

Guido Carl

BUND

Andreas Swirschuk

Anti AKW-Initiative

Marianne Streicher-Eickhoff

Kreis Darmstadt-Dieburg

Klaus-Dieter Jung

Stadt Darmstadt

Christoph Trinemeier

Verband Region Rhein-Neckar

Walter Astheimer

Kreis GG 1. Beigeordneter

Ursula Hammann

MdL Grüne

Thomas Zöller

Landkreis Mainz-Bingen

Alexander Bauer

MdL CDU