Zeitungsstapel vor hellem Hintergrund

Tradition und Nachhaltigkeit in Wald-Michelbacher Bäckerei Bihn


Kreis Bergstraße (kb). Zehn unterschiedliche Brötchensorten, anderthalb Dutzend Brotsorten sowie viele süße und herzhafte Snacks und das alles in Bioqualität – dies ist nur ein Teil des Sortiments der Bio-Bäckerei Bihn in Wald-Michelbach, der einzigen Bio-Bäckerei im gesamten Kreis Bergstraße. Über die Geschichte der Traditionsbäckerei sowie die Besonderheiten des ökologischen Betriebs informierte sich Landrat Christian Engelhardt kürzlich vor Ort. „Sie haben hier einen für unseren Landkreis einmaligen Bäckereibetrieb aufgebaut. Nachhaltige Unternehmen wie ihres, das mit viel Herzblut geführt und weiterentwickelt wird, sind eine echte Bereicherung für unsere Region und machen sie zu einem lebens- und liebenswerten Ort“, ist Landrat Engelhardt überzeugt.

Den Familienbetrieb gibt es bereits seit dem 19. Jahrhundert und wird inzwischen in vierter Generation geführt. In der Bäckerei arbeiten neben Inhaberin Petra Ihrig Bihn und ihrem Mann Philipp Bihn auch die beiden Töchter Ribanna Noe und Ninotschka Bihn. Den Wechsel vom konventionellen Betrieb hin zu einer Bio-Bäckerei stießen Petra und Philipp Bihn bereits in den neunziger Jahren an – damals eine echte Revolution im Odenwald. Dabei hatte die Bäckersfamilie ein festes Ziel vor Augen: möglichst natürliche Backwaren herstellen statt industrieller Massenfertigung. Das war in den Neunzigern eine echte Herausforderung, denn die Anbieterauswahl für Biozutaten war damals noch deutlich geringer als heute. Doch auch heute ist die Bioproduktion mit Herausforderungen verbunden: Bio-Zutaten sind deutlich teurer als konventionelle und kosten häufig ein Mehrfaches. „Viele Kundinnen und Kunden sind bereit, für Bio-Backwaren mehr zu bezahlen, doch diese Bereitschaft hat ihre Grenzen“, sagte Philipp Bihn. „Unsere Preise für Brot und Brötchen liegen dennoch nicht wesentlich über denen herkömmlicher Bäckereien.“

Familie Bihn sieht den Hauptunterscheid zwischen ihrer Bio-Bäckerei und den konventionellen Bäckereien in der Region vor allem in der Qualität ihrer Backwaren. Der Qualitätsunterschied ergibt sich vor allem daraus, dass in der Bio-Bäckerei konsequent mit natürlichen Zutaten gearbeitet wird und auf alles verzichtet wird, was nicht aus der Natur stammt. Doch auch der Vertrieb unterscheidet sich deutlich: Das Hauptgeschäft besteht für den Wald-Michelbacher Traditionsbetrieb darin, Bio- und Naturkostmärkte im Landkreis und darüber hinaus im Rhein-Neckar-, sowie Odenwaldkreis von Großostheim bis Heidelberg und nach Karlsruhe zu beliefern. Von 2008 bis 2023 betrieb Familie Bihn zudem eine Verkaufsfiliale in Mannheim. „Bio ließ sich vor allem früher leichter in Städten verkaufen. Das Interesse hier vor Ort hat sich erst mit der Zeit entwickelt“, bemerkte Philipp Bihn. Der steigenden Nachfrage vor Ort wurde das Familienunternehmen seit 2020 durch ihren Onlineshop mit Lieferungen direkt nachhause und seit 2023 mit einem kleinen Verkaufsstand an der Backstube in Wald-Michelbach gerecht.

Neben den klassischen Backwaren bietet die Bäckerei inzwischen auch Torten an. Die beiden Töchter, Ninotschka und Ribanna, sind dabei nicht nur die fünfte Generation des Traditionsbetriebs, sondern auch Konditormeisterin und Betriebswirtin. Unter dem Label „Bio Liebelei“ bieten sie qualitativ hochwertige Hochzeitstorten und Macarons an. Die nächste Bihn-Generation hat aber noch weitere Ideen, mit denen sie die Bäckertradition in Wald-Michelbach weiter fortführen und für die Zukunft noch breiter aufstellen wollen. Wie diese aussehen und wie auch der Aspekt sozialer Nachhaltigkeit dabei in den Fokus genommen wird, verrieten die beiden dem Landrat bereits und freuen sich, wenn sie ihre Pläne demnächst auch der breiten Öffentlichkeit vorstellen können. „Ich freue mich sehr, dass Sie hier nicht einfach ‚stehen bleiben‘, sondern Visionen haben, wie es in Zukunft noch weitergehen kann. Ich bin gespannt, welche Projekte Sie hier weiter umsetzen werden“, verabschiedete sich der Landrat.