Kreis Bergstraße (kb). Über Sterben, Abschied und Vorsorge wird im Alltag nur selten gesprochen – obwohl diese Themen jeden Menschen betreffen. Mit einer gut besuchten Auftaktveranstaltung im Multimax der Karl-Kübel-Schule in Bensheim ist nun das Jahresprojekt 2026 „Sterben – wenn Leben leiser wird“ der Fachstelle Leben im Alter des Kreises Bergstraße offiziell gestartet. Ziel des kreisweiten Projekts ist es, Berührungsängste abzubauen, Wissen zu vermitteln und Räume für Gespräche über Tod, Trauer und Vorsorge zu schaffen.

„Sterben und Tod gehören ebenso zum Leben wie Geburt und Wachstum – und doch fällt es uns oft schwer, darüber zu sprechen. Mit unserem Jahresprojekt möchten wir dazu ermutigen, sich diesen Themen offen und ohne Tabus zu nähern und Räume für Austausch, Verständnis und gegenseitiges Lernen zu schaffen. Zudem geht es darum, dem Leben in seinen letzten Momenten genauso viel Aufmerksamkeit, Würde und Zuwendung zu schenken, wie allen Lebensphasen davor. Genau dafür stehen die Angebote der Hospiz- und Palliativarbeit, die wir mit diesem Projekt ebenfalls stärker in den Blick rücken möchten“, betonte die Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Angelika Beckenbach bei der Begrüßung der Gäste.

Auch die Hessische Familienministerin Diana Stolz war bei der Auftaktveranstaltung vor Ort und richtete ein Grußwort an die Teilnehmenden: „Initiativen wie dieses Projektjahr schaffen Räume für Gespräche. Und sie helfen, dass wir das Thema Sterben nicht verdrängen, sondern ihm mit Menschlichkeit und Offenheit begegnen. Den Austausch und die Schaffung von Räumen, in denen Schmerz gelindert wird und Angehörige Hilfe finden, fördert die Hessische Landesregierung in Zusammenarbeit mit der Justus-Liebig-Universität Gießen daher mit dem Modellprojekt „Angehörige Sterbender stärken“. Ein großer Teil der Hospizarbeit wird von Ehrenamtlichen getragen. Ihr Engagement, Ihre Zeit und Ihre Menschlichkeit sind von unschätzbarem Wert. Sie begleiten Menschen und ihre Angehörigen in einer der schwersten Phasen des Lebens – dafür gebührt Ihnen mein herzlicher Dank.“
Einen geistlichen Impuls gab Pfarrer Heinz Förg. Er stellte dabei die Frage nach der Würde des Menschen am Lebensende in den Mittelpunkt und regte dazu an, Abschied und Trauer nicht nur als belastende, sondern auch als verbindende Erfahrungen zu verstehen.
Die Koordinatorin des Hospizdienstes Odenwald, Fatma Bulut, widmete sich in ihrem Beitrag dem Thema kultursensible Trauerbegleitung. Sie zeigte auf, wie unterschiedlich Menschen aus verschiedenen kulturellen und religiösen Hintergründen mit Tod und Trauer umgehen und wie wichtig es ist, diese Vielfalt in der Begleitung von Angehörigen zu berücksichtigen. Kultursensible Angebote können helfen, individuelle Rituale und Bedürfnisse zu respektieren und Trauernden einen geschützten Raum für ihre persönliche Form des Abschieds zu geben.
Einen Blick auf gesellschaftliche Veränderungen warf Nils Schwabedissen, Leiter des Bestattungshauses Überwald. In seinem Vortrag zur Bestattungskultur im Wandel erläuterte er, wie sich Wünsche und Vorstellungen rund um Abschied und Bestattung in den vergangenen Jahren verändert haben. Neben klassischen Formen gewinnen zunehmend individuelle und persönlich gestaltete Abschiedsrituale an Bedeutung.
Über Voraussetzungen und das Leben in einem Hospiz informierte die Leiterin des Hospiz Bergstraße, Miriam Ohl. Sie erklärte, unter welchen Bedingungen Menschen in ein Hospiz aufgenommen werden können und welche Unterstützung Betroffene und Angehörige dort erhalten. Hospize bieten schwerstkranken Menschen eine ganzheitliche Begleitung am Lebensende – medizinisch, pflegerisch und psychosozial – und schaffen eine Umgebung, in der Lebensqualität, Würde und persönliche Wünsche im Mittelpunkt stehen.

Im Anschluss an die Impulse nutzten viele Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit zum Austausch mit den Referierenden und Fachkräften aus der Hospiz- und Trauerarbeit. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von der Musikschule Lorsch.

Die Auftaktveranstaltung markiert den Beginn eines vielfältigen Programms im gesamten Kreisgebiet. Im Laufe des Jahres folgen mehrere Veranstaltungen für Bürgerinnen und Bürger jeden Alters. Den Start macht die Karikaturenausstellung „Wenn der Tod dich anlacht“ der Hessischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e.V., die im Zeitraum vom 13. April bis zum 22. Mai durch den Kreis ziehen wir – unter anderem in Hirschhorn, Wald-Michelbach, Lindenfels und Bensheim.
Weitere Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen werden rechtzeitig bekanntgegeben.

