Zeitungsstapel vor hellem Hintergrund

Vorreiter in Sachen Kreislaufwirtschaft


Kreis Bergstraße (kb). Der Kreis Bergstraße geht beim Bauen neue Wege in Richtung Nachhaltigkeit: Mit einer Kooperationsvereinbarung mit dem Circle Offenbach setzt der Landkreis ein starkes Zeichen für die regionale Kreislaufwirtschaft im Bausektor. Ziel der Zusammenarbeit ist es, Stoffkreisläufe zu schließen, Ressourcen zu schonen und die Bauwirtschaft zukunftsfähig aufzustellen.

„Der Circle ist ein wichtiger und erfahrener Kooperationspartner“, betonte Landrat Christian Engelhardt jüngst bei der Unterzeichnung der Vereinbarung. Diese markierte zugleich den offiziellen Start des gemeinsamen Pilotprojekts „Optimierung der Wiederverwendung und Verwertung mineralischer Abfälle und Stoffe im Kreis Bergstraße“. Ziel dieses Vorhabens ist es, die Wiederverwendung und hochwertige Verwertung mineralischer Stoffe wie Erdaushub und Bauschutt zu verbessern, natürliche Ressourcen zu schonen und die CO₂-Emissionen im Bausektor deutlich zu reduzieren. „Uns ist es wichtig, nicht nur über Kreislaufwirtschaft zu sprechen, sondern dieses Thema ganz konkret anzugehen – zum Beispiel beim Bau unseres neuen Schülerforschungszentrums Bergstraße Südhessen“, so Landrat Engelhardt.

Auch die Leiterin des Projekts Kreislaufwirtschaft Bergstraße, Dr. Claudia Bolte, unterstrich die Rolle der öffentlichen Hand: „Wir sehen die Kommunen als Treiber der Kreislaufwirtschaft im Bausektor. Denn: Damit sich regionale Kreislaufwirtschaften entwickeln können, braucht es starke Netzwerke aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung.“

Der Circle ist ein Netzwerk, in dem sich mehr als 80 Unternehmen aus ganz Deutschland engagieren, um das Thema Kreislaufwirtschaft im Bausektor voranzutreiben. Daniel Imhäuser, Initiator des Circle, freut sich sehr über die Zusammenarbeit mit dem Kreis Bergstraße und hob deren Bedeutung hervor: „Diese Kooperation ist eine ganz besondere, denn der Kreis Bergstraße ist der erste Landkreis im Circle. Das zeigt, wie innovativ und zukunftsorientiert der Kreis, der Landrat und seine Mitarbeitenden arbeiten.“ Verwaltungen seien dabei ein zentraler Hebel für den Wandel. Das Augenmerk der Kreislaufwirtschaft müsse dort liegen, wo gebaut werde – und das sei oftmals die öffentliche Hand. „Die Berücksichtigung von Kreislaufwirtschaft in Ausschreibungen ist von besonders hoher Relevanz, da hierüber ein großer Teil der Bauaufträge vergeben wird. Mit seiner Lage zwischen den beiden Metropolregionen Rhein-Main und Rhein-Neckar ist der Kreis Bergstraße ein wichtiger Ballungsraum für den Bausektor. Das macht diese Kooperation umso essentieller“, so Imhäuser weiter.

Durch die Zusammenarbeit sollen gezielt Synergien zwischen dem Circle und dem Kreis Bergstraße erschlossen werden. Erste gemeinsame Aktivitäten, etwa die Unterstützung durch Circle-Partner bei Webinaren als Impulsgeber, haben bereits stattgefunden und sollen künftig weiter ausgebaut werden.

Im Rahmen des gemeinsamen Pilotprojekts sind unter anderem ein intensiver fachlicher Austausch zur Wiederverwendung und Verwertung mineralischer Abfälle, gemeinsame Workshops und Fortbildungsangebote zur Kreislaufwirtschaft sowie die Prüfung einer möglichen Einbindung des Kreises in bestehende Material- und Bodenbörsen des Circle geplant. Ein weiterer Fokus liegt auf Neubauvorhaben, Rückbauprozessen sowie der Weiterentwicklung der standardisierten Vergabepraxis des Kreises.

Der Kreis Bergstraße ist bereits heute eine von fünf Modellregion für nachhaltiges Bauen im ländlichen Raum des Projekts „Circular Rural Regions“ des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (kurz BSBR). Dabei entwickelt und erprobt der Kreis zirkuläre Maßnahmen speziell für den ländlichen Raum. Das Projekt „Kreislaufwirtschaft Kreis Bergstraße“ leistet zudem einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutzziel des Kreises, CO₂-neutral zu werden.

Landrat Christian Engelhardt betonte auch die wirtschaftliche Dimension der Kreislaufwirtschaft: „Unsere natürlichen Ressourcen sind endlich. Darum müssen wir sie schützen und wiederverwenden. Das fördert nicht nur die Nachhaltigkeit, sondern vor allem auch die regionale Wirtschaft in unserem Kreis. Mit dem Stärken der Kreislaufwirtschaft im Bausektor fördern wir regionale Wertschöpfungsketten und unterstützen zugleich den öffentlichen Bausektor. Mit der Kooperationsvereinbarung gestalten wir somit die Zukunft unseres Kreises – ressourcenschonend, innovativ und verantwortungsvoll.“

Auch Hartmut Schmid von der CDM Smith, die ebenfalls Partnerin im Circle seit dessen Gründung ist, sieht hier Handlungsbedarf: „Wir leben in einer Zeit des Epochenwandels: Wir haben erkannt, dass wir uns die Natur nicht unbegrenzt aneignen können. Daher müssen wir anders mit Ressourcen umgehen, als in der Vergangenheit. Wir bewegen uns weg von einer Epoche des Verbrauchens, hin zu einer Epoche des Erhaltens. Mit dieser Kooperation zeigt der Kreis Bergstraße seine Vorreiterrolle beim Thema Kreislaufwirtschaft.“

Im Kreis Bergstraße gibt es auch bereits ein erstes Unternehmen, das Partner im Circle ist: Röhrig Granit aus Heppenheim. „Der Kreis Bergstraße und Landrat Engelhardt zeigen mit dieser Kooperation, dass sie über den eigenen Tellerrand hinausschauen“, lobte Geschäftsführer Marco Röhrig die Kreisverwaltung. „Wir sind als Firma schon sehr früh dem Circle beigetreten und haben seitdem zahlreiche Chancen für essentielle Kontakte, Austausch und Synergien erhalten.“

Mit der Partnerschaft verfolgt der Kreis Bergstraße das Ziel, über die Region hinaus Strahlkraft zu entfalten und als Vorbild für eine nachhaltige, ressourcenschonende Bauwirtschaft zu wirken. „Ich bin sehr stolz auf diese Kooperation und danke allen Beteiligten, die das möglich gemacht haben. Darüber hinaus möchte ich die regionale Bauwirtschaft einladen, diesen Weg mit uns zu gehen. Nutzen Sie die Chance gemeinsam mit dem Kreis Bergstraße und dem Circle neue Lösungen zu entwickeln, Pilotprojekte umzusetzen und ganz konkret zu zeigen, dass wir bei Zukunftsthemen Vorreiter sind und zirkuläres Bauen hier bei uns vor Ort funktioniert“, so Engelhardt abschließend.

Bergsträßer Unternehmen der Baubranche, die sich dem Thema Kreislaufwirtschaft widmen wollen, können sich in das Bergsträßer Kreislaufwirtschaftsnetzwerk aufnehmen lassen sowie in Austausch mit dem Team Kreislaufwirtschaft des Kreises Bergstraße gehen unter: kreislaufwirtschaft@kreis-bergstrasse.de .

Hintergrund:

Die Pilotaktion „Circular Rural Regions“ wird vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) mit Mitteln des Programms „Region gestalten“ gefördert. Der Kreis Bergstraße ist eine von fünf Modellregionen, die bei der Erprobung und Umsetzung von Kreislaufwirtschaftskonzepten unterstützt werden.