Kreis Bergstraße (kb). Gürtelrose, auch als Herpes Zoster bekannt, ist eine Erkrankung, die oft unterschätzt wird – dabei kann sie zu jahrelangen Nervenschmerzen führen und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Die Krankheit wird von Varizella-Zoster-Viren (VZV) ausgelöst, die oft schon in der Kindheit übertragen werden. Ausgelöst wird die Krankheit durch das Varizella-Zoster-Virus (VZV), welches in der Kindheit häufig Windpocken verursacht. Nachdem die Symptome der Windpocken abgeklungen sind, verbleiben die Viren ein Leben lang im Körper und können sich später wieder aktivieren, meist dann, wenn das Immunsystem geschwächt ist.
Fast jeder Mensch hatte bis zum 40. Lebensjahr Kontakt mit den VZ-Viren – sei es durch Windpocken, eine Impfung oder stille Infektionen ohne Symptome. Fast alle Erwachsenen, besonders aber Personen über 50 Jahre oder mit geschwächtem Immunsystem, sind gefährdet, an Gürtelrose zu erkranken.
Um über die Ansteckungsgefahr, die Symptome, aber auch die Möglichkeiten des Schutzes durch eine Impfung zu informieren, hatte die Erste Kreisbeigeordnete und für das Gesundheitsamt zuständige Dezernentin Angelika Beckenbach zwei Fachleute ins Landratsamt zum Gespräch eingeladen: den Facharzt für Dermatologie Dr. Alexander Magerl und die Heppenheimer Apothekerin Eva Keitemeier.
„Schätzungen zufolge erkrankt mehr als jeder Vierte im Laufe seines Lebens an Gürtelrose. Da jeder betroffen sein kann und die Auswirkungen der Krankheit erheblich sind, ist es uns wichtig, über Therapien und vor allem präventive Maßnahmen wie die Impfung aufzuklären“, erklärt Beckenbach.

Die ersten Symptome ähneln einer grippeartigen Erkrankung, doch nachfolgend treten häufig starke, brennende Schmerzen auf, die von einem charakteristischen Hautausschlag mit Bläschen begleitet werden. Meist ist nur eine Körperseite betroffen. Die Krankheit kann auch das Auge betreffen und zu starken Schmerzen, Lichtempfindlichkeit und Hautausschlägen führen.
Langfristig können sogenannte neuropathische Schmerzen auftreten. „Die Schmerzen werden auch als ‚Höllenfeuer‘ beschrieben, das verdeutlicht schon, wie stark die Krankheit die Lebensqualität beeinträchtigen kann“, betont die Apothekerin Eva Keitemeier. „Nervenschmerzen kann man kaum bändigen. Das wirkt sich bei länger andauernden Erkrankungen massiv auf die Betroffenen aus, zum Beispiel schränkt es ihre sozialen Kontakte ein, da sich die Erkrankten aufgrund der Schmerzen häufig zurückziehen“, ergänzt der Dermatologe Dr. Alexander Magerl. Ansteckend ist die Gürtelrose dabei nur für Personen, die bislang noch nicht an Windpocken erkrankt waren – sie stecken sich dabei mit eben jenen Windpocken an.
Der beste Schutz gegen Gürtelrose ist die Impfung. „Damit können 99 von 100 Erkrankungen verhindert werden“, betont Dr. Magerl. Zwei Impfungen im Abstand von zwei bis sechs Monaten sind nötig. „Man muss ehrlich sagen, dass es sich um eine relativ reaktogene Impfung handelt, das heißt bei etwa jedem Zehnten treten Nebenwirkungen auf, wie zum Beispiel Kopfschmerzen oder Fieber. Trotzdem ist es wichtig, sich auch nach solchen Reaktionen die zweite Impfung zu holen. Denn die Impfreaktion ist vernachlässigbar im Vergleich zu den oft monatelangen Symptomen, die die Gürtelrose verursacht“, sagt Keitemeier.
Die Impfung gegen Gürtelrose wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für alle Personen im Alter von über 60 Jahren empfohlen. „Am besten spricht man seinen Hausarzt darauf an, wenn man sich betroffen fühlt und impfen lassen will“, empfiehlt Dr. Magerl: „Wer einmal an Gürtelrose erkrankt ist, hat ein höheres Risiko, später erneut zu erkranken. Daher ist die Impfung eine wichtige Chance, sich zu schützen.“

