Starkregen
Starkregen entsteht, wenn in kurzer Zeit sehr viel Regen fällt. Die Wassermenge ist dann so groß, dass Boden, Kanalisation und Gräben sie nicht mehr schnell genug aufnehmen können. Das kann überall passieren, besonders aber dort, wo viel Fläche versiegelt ist oder das Gelände Wasser in eine Richtung lenkt.
Wenn der Boden schon nass und gesättigt ist, kann er kaum noch etwas aufnehmen. Dann läuft das Wasser einfach oben ab und sammelt sich schnell auf Straßen, Höfen oder in Senken. Ist der Boden dagegen nach langer Trockenheit ausgetrocknet, nimmt er das Wasser oft zunächst ebenfalls schlecht auf. Dann bleibt der Regen an der Oberfläche liegen oder fließt rasch ab, statt langsam zu versickern. Problematisch sind auch versiegelte Flächen wie Asphalt, Pflaster oder Beton. Dort kann kaum Wasser in den Boden eindringen. Das Regenwasser muss also direkt ablaufen und gelangt schneller in tiefer gelegene Bereiche oder in die Kanalisation. Wenn diese überlastet ist, kann Wasser aus Kanaldeckel oder Abflüssen wieder hochdrücken.
Solche Ereignisse treten heute häufiger auf, weil wärmere Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Wenn sich dann Gewitter und Unwetter bilden, kann in kurzer Zeit sehr viel Regen herunterkommen. Besonders oft kann das in den warmen Monaten von Mai bis September passieren, wenn die Luft heiß ist und somit kräftige Gewitter leichter entstehen.
Wie kann ein Starkregenereignis ablaufen?
Bei einem Starkregen in einem gefährdeten Gebiet kann sich die Lage sehr schnell zuspitzen. Zuerst sammelt sich das Wasser auf Straßen, Dächern, Plätzen und in Senken. Dann kommen Boden und Kanalisation oft an ihre Grenzen, sodass das Wasser nicht mehr richtig abfließen kann. Je nach Gelände kann es sich stauen, in bestimmten Bereichen bündeln oder als schneller Wasserstrom weiterlaufen.
In den ersten Minuten bis zur ersten Stunde entsteht meist vor allem oberflächlicher Abfluss. Aus kleinen Wasseransammlungen werden Rinnsale, daraus können richtige Ströme werden. Kanäle füllen sich, Abflüsse kommen nicht mehr hinterher und in tieferen Lagen steigt das Wasser besonders schnell an. Für Menschen vor Ort ist das oft an plötzlich ansteigenden Wassermengen und stark fließendem Wasser im Straßenraum zu erkennen.
Im weiteren Verlauf kann sich das Wasser auf bestimmte Wege konzentrieren, etwa an Hängen, entlang von Straßen oder durch enge Geländeformen. Dann entstehen schnell gefährliche Fließwege mit hoher Geschwindigkeit. Solche Wassermassen können Schmutz, Geröll und Treibgut mitreißen. Wenn Wasser in Gebäude eindringt, sind vor allem Keller, Lichtschächte, Türen und technische Anlagen bedroht. Auch Stromausfälle, gesperrte Straßen und unterbrochene Wege sind dann möglich.
Wenn das Ereignis länger anhält, werden die Schäden meist größer. Gebäude können feucht werden oder strukturelle Schäden bekommen, technische Anlagen fallen aus und Verkehrswege werden unbenutzbar. Außerdem kann verschmutztes Wasser ein Gesundheitsrisiko darstellen, etwa durch Abwasser, Öl oder andere Stoffe. Nach dem Starkregen bleiben häufig Schlammschichten, beschädigte Infrastruktur und aufwendige Aufräumarbeiten zurück.
Wichtig ist deshalb, schon während des Ereignisses auf Warnzeichen zu achten. Dazu gehören überlaufende Kanäle, plötzlich trübes oder schlammiges Wasser, gurgelnde Abflüsse, Treibgut auf der Straße und schnell steigende Wasserstände in Senken. Wer solche Anzeichen bemerkt, sollte Abstand zu fließendem Wasser halten, keine überfluteten Straßen betreten oder befahren und im Zweifel den Anweisungen der Einsatzkräfte folgen.
Zusammengefasst: Starkregen entwickelt sich oft in mehreren Schritten. Erst kommt viel Wasser sehr schnell auf eine Fläche, dann überlastet es Boden und Entwässerung, danach kann es zu Sturzfluten, Gebäudeschäden, Ausfällen und längeren Folgeschäden kommen. Gefährlich ist vor allem, dass alles in kurzer Zeit passiert und das Wasser oft mehr mit sich bringt als nur Regen.
Wie verhalte ich mich am Besten, wenn ich in einem gefährdeten Gebiet wohne oder mich dort befinde?
1. Direkt jetzt überprüfen
- Für das Gefährdungspotenzial des Wohn- bzw. Aufenthaltsortes die Starkregengefahrenkarte im BürgerGIS anschauen
- Grundsätzlich: Rückschlagklappen auf Funktionsfähigkeit prüfen (lassen): sehr viele Gebäudeschäden entstehen durch rückwärts in das Gebäude eindringendes Kanalisationswasser aufgrund defekter Rückstaueinrichtungen. So gut wie jedes Gebäude verfügt über einen Rückstauschutz gegen Abwasser aus der Kanalisation, meist am Gebäudetiefpunkt (bspw. am/neben Bodenablauf im Keller) installiert. Diese Rückstauklappe ist beweglich gelagert und muss regelmäßig auf ihre Funktion überprüft werden, da sie über lange Zeiträume durch Verschmutzung, Versinterung o. ä. unbeweglich wird.
2. Sofort bei Warnung
- Warnmeldungen regelmäßig prüfen, zum Beispiel über App (KATWARN, DWD), Radio oder kommunale Hinweise, und kurz mit der Familie oder dem Haushalt absprechen, was im Ernstfall zu tun ist
- Wenn absehbar ist, dass Wasser eindringen kann, Strom in gefährdeten Bereichen rechtzeitig abschalten lassen oder absichern
- Keller und tiefer liegende Räume möglichst meiden und bei Gefahr rechtzeitig in höhere Stockwerke ausweichen
- Sandsäcke oder andere einfache Abdichtungen für Türen und Eingänge bereithalten (über Feuerwehr, Bauhöfe oder Gewässerverband zu erhalten)
- Fenster, Kelleröffnungen und Lichtschächte schließen und möglichst abdichten
- Wichtige Unterlagen, Medikamente und Ähnliches in wasserdichte Behälter packen und sofort griffbereit haben
2. In den nächsten Tagen bis Wochen
- Rückstauklappen, Hebeanlagen und Kellerabläufe kontrollieren und funktionstüchtig halten
- Regenrinnen, Fallrohre und Gullys freihalten, damit Wasser besser ablaufen kann
- Empfindliche Technik und elektrische Geräte möglichst höher lagern
- Für den Notfall Ladegeräte, Powerbanks, Taschenlampe, Erste Hilfe, Werkzeuge und Handschuhe bereithalten
- Überlegen, ob ein kleiner Notstromplan sinnvoll ist, zum Beispiel mit geladenen Akkus oder einem Generator nach Vorschrift
3. Mittelfristig umsetzen
- An den gefährdeten Stellen dauerhaft bessere Schutzlösungen einplanen, etwa Türschwellen, Abdichtungen oder mobile Dammbalken
- Auf dem Grundstück mehr Flächen schaffen, auf denen Wasser versickern kann, zum Beispiel durch Mulden, Zisternen oder wasserdurchlässige Beläge
- Heizung, Strom und andere empfindliche Anlagen möglichst höher oder besser geschützt anordnen
- Wertvolle Dinge nicht im Keller lagern und Regale so aufstellen, dass Gegenstände nicht direkt auf dem Boden stehen
- Die eigene Versicherung prüfen, besonders im Hinblick auf Elementarschäden
4. Langfristig denken
- Prüfen, ob das Erdgeschoss überhaupt für empfindliche Nutzung geeignet ist, vor allem in gefährdeten Lagen
- Mit der Kommune über Gefahrenkarten, Rückhalteflächen und Verbesserungen am Kanalnetz im Austausch bleiben
- Wo möglich, versiegelte Flächen reduzieren und Flächen schaffen, die Wasser aufnehmen oder zurückhalten können
- Kommunale Informationen und Starkregengefahrenkarte regelmäßig nutzen
5. Vorräte und Lagerung
- Trinkwasser für mindestens drei Tage, besser für eine Woche pro Person, vorrätig halten
- Haltbare Lebensmittel trocken und wassergeschützt lagern
- Medikamente, Hygieneartikel und ein Erste-Hilfe-Set ebenfalls wasserdicht aufbewahren
- Brennstoffe nur in kleinen, sicheren Mengen privat lagern und größere Lösungen den zuständigen Stellen überlassen
- Keller nur eingeschränkt als Lager nutzen, empfindliche Geräte lieber höher aufbewahren
- Gartenmöbel, Fahrräder und Mülltonnen sichern oder ins Trockene bringen
- Dokumente und digitale Daten doppelt sichern, also physisch und als Backup
6. Frühzeichen ernst nehmen
- Wenn sich immer wieder Pfützen bilden, Wasser in Senken stehen bleibt oder neue kleine Wasserläufe entstehen, sollte das dokumentiert werden
- Verstopfte Abläufe, ungewöhnliche Fließwege oder auffällige Gerüche aus Kanälen können auf Probleme im Entwässerungssystem hinweisen
- Auch kleinere Überschwemmungen, die öfter vorkommen, sind ein Warnsignal und sollten nicht ignoriert werden

