
Netzwerke der gesundheitlichen Versorgungslage
Netzwerk Ortsnahe Versorgung Odenwald - NOVO Kreis Bergstraße
Das deutsche Gesundheitswesen steht vor einem demografiebedingten grundlegenden Strukturwandel. Durch die Alterung der Gesellschaft wird das Gesundheitswesen und die Pflege eine zunehmende Anzahl von älteren Menschen mit einem komplexen Hilfebedarf versorgen müssen. Gleichzeitig steigt aber auch die Zahl der Dienstleistenden, die altersbedingt in Ruhestand gehen. Eine der großen Herausforderungen wird es daher sein, die Versorgungsstrukturen im Kreis Bergstraße sowohl den sich verändernden Bedarfen der Bevölkerung anzupassen als auch für einen ausreichenden Fachkräftenachwuchs zu sorgen. Um diese Formen der Daseinsvorsorge zu sichern, bedarf es neben den Aufgaben z.B. der KV Hessen auch der unterstützenden Mitarbeit der Kommunen.
Ziel des Netzwerks Ortsnahe Versorgung Odenwald (NOVO) ist es, gemeinsam mit allen Akteurinnen und Akteuren vor Ort eine bedarfsgerechte und qualitativ hochwertige gesundheitliche und pflegerische ambulante Gesundheitsversorgung zu entwickeln und langfristig zukunftsfähig zu unterstützen. Diese muss interdisziplinär und intersektoral angelegt sein, um die bestmögliche Versorgung vor allem chronisch kranker und multimorbider Patientinnen und Patienten zu gewährleisten.
Vor diesem Hintergrund haben 9 Gemeinden im Vorderen Odenwald, eine kommunale Arbeitsgemeinschaft gegründet und vereinbart, unter Federführung des Kreises Bergstraße im Bereich der Gesundheitsversorgung zu kooperieren: Abtsteinach, Birkenau, Fürth, Grasellenbach, Lautertal, Lindenfels, Mörlenbach, Rimbach und Wald-Michelbach.
Netzwerk Ortsnahe Versorgung Ried - NORIE Kreis Bergstraße
Die Versorgungssituation im hausärztlichen Bereich des Kreises hat sich im ländlichen Raum des Kreises in den letzten Jahren verändert. In mehreren Kommunen kam es zu Rückgängen in der Verfügbarkeit von Praxen, auch im Ried ist eine Abnahme der ärztlichen Versorgung erkennbar. Einzelne Gemeinden weisen bereits eine Versorgungslücke auf.
Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2019 nach dem Vorbild von NOVO das Netzwerk Ortsnahe Versorgung Ried (NORIE) gegründet. Ziel ist es, gemeinsam mit den beteiligten Kommunen, ärztlichen Strukturen sowie weiteren Akteurinnen und Akteuren die medizinische Grundversorgung zu begleiten und die Zusammenarbeit vor Ort zu stärken.
Ein Schwerpunkt von NORIE liegt darin, Synergiepotenziale zwischen den beteiligten Kommunen zu nutzen und sektorenübergreifende Lösungen zu entwickeln. Die Zusammenarbeit soll disziplin- und sektorenübergreifend erfolgen, um Haus- und Fachärztinnen und Fachärzten über Pflegeeinrichtungen bis hin zu kommunalen Stellen besser zu vernetzen. Damit soll langfristig eine bedarfsgerechte Versorgung ermöglicht werden, die sowohl medizinische als auch pflegerische Aspekte berücksichtigt.
Innerhalb von NORIE haben sich die sechs Kommunen Biblis, Bürstadt, Einhausen, Groß-Rohrheim, Lampertheim und Lorsch zu einer interkommunalen Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen. Mit dieser Kooperation wird ein gemeinsamer Rahmen geschaffen, um Ressourcen zu bündeln, Projekte zu entwickeln und Maßnahmen zur Sicherung einer wohnortnahen medizinischen Versorgung zu koordinieren.
Netzwerk Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin Bergstraße
Der Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin Bergstraße (WBV) ist ein zentrales Netzwerk zur Sicherung der hausärztlichen Versorgung im Kreis Bergstraße. Seit seiner Gründung im Jahr 2017 bietet er angehenden Hausärztinnen und -ärzten eine strukturierte, praxisnahe und individuell gestaltbare Weiterbildung. Durch die enge Zusammenarbeit von Krankenhäusern, Praxen und Gesundheitsnetzwerken entsteht ein breites Ausbildungsspektrum. Innerhalb regelmäßiger Austauschtreffen mit Vertreterinnen und Vertretern des Verbunds werden aktuelle Bedarfe identifiziert, Weiterentwicklungen angestoßen und die Zusammenarbeit kontinuierlich gestärkt.
Ziel des Verbunds ist es, die Weiterbildung in der Allgemeinmedizin nachhaltig zu fördern und gleichzeitig die Attraktivität der Region für angehende Hausärztinnen und -ärzte zu erhöhen. Durch die enge Vernetzung der beteiligten Einrichtungen profitieren sowohl Weiterbildungsteilnehmende als auch niedergelassene Praxen – etwa im Hinblick auf frühzeitige Kontakte für mögliche Praxisnachfolgen und den fachlichen Austausch im Netzwerk.
Nach organisatorischen Neuaufstellungen bietet die Website des WBV einen umfassenden Überblick über die vielfältigen Weiterbildungsmöglichkeiten im Kreis Bergstraße. Sie informiert über die Verbundpartner, stellt konkrete Angebote und Karrierewege dar und gibt Einblicke in den Weiterbildungsalltag. Ergänzt wird das Informationsangebot durch Hinweise zu Fördermöglichkeiten sowie aktuelle Stellenangebote, sodass die Website als zentrale Anlaufstelle für angehende Hausärztinnen und Hausärzte sowie interessierte Praxen dient.
Netzwerk geburtshilflicher Akteurinnen im Kreis Bergstraße
Das im Jahr 2023 gegründete Netzwerk vereint zentrale Akteurinnen und Akteure der Geburtshilfe im Kreis Bergstraße. Dazu gehören Vertreterinnen des Kreiskrankenhauses Bergstraße (u. a. Chefärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Vertreterinnen des interdisziplinären und hebammengeleiteten Kreißsaals), des Geburtshauses Bergstraße, die Kreissprecherinnen des Landesverbandes der Hessischen Hebammen e. V. sowie Vertreterinnen der Kreisverwaltung.
Ziel des Netzwerkes ist es die, die Rahmenbedingungen für Hebammen im Kreis weiter zu verbessern, die Ausbildung der Hebammen zu unterstützen, sowie die Hebammen des Kreises stärker innerhalb der Berufsgruppe zu vernetzen.
Die im Rahmen des Konzepts zur Hebammenförderung im Kreis Bergstraße (Kreistagsbeschluss 2023) eingerichtete Koordinierungsstelle für Hebammen im Kreis Bergstraße bündelt zentrale Unterstützungs- und Entwicklungsmaßnahmen. Als zentrale Ansprech- und Vernetzungsstelle entlastet sie Hebammen durch Informationsaufbereitung, Organisation von Fortbildungen und Förderung des fachlichen Austauschs sowie der Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsakteurinnen und -akteuren. Gleichzeitig trägt sie durch Vorstellung des Berufsbilds zur Nachwuchsgewinnung bei und orientiert ihre Arbeit flexibel an den Bedarfen vor Ort. Ergänzend dazu umfasst das Förderkonzept weitere Maßnahmen wie die angepasste Niederlassungsförderung (bis Ende 2027), um mehr Fachkräfte für den Kreis zu gewinnen, um so eine langfristige Versorgung von Schwangeren und Familien zu unterstützen.


