Kreis Bergstraße (kb). Wo über Jahrzehnte Energie erzeugt wurde, kann künftig ein neuer Raum für Innovation, Forschung und wirtschaftliche Entwicklung entstehen: Mit dem Start einer umfassenden Machbarkeitsstudie nehmen der Kreis Bergstraße, die Gemeinde Biblis, die RWE AG und die Wirtschaftsförderung Bergstraße GmbH die Zukunft des ehemaligen Kraftwerksstandorts in den Blick. Gemeinsam wollen die Partner ausloten, wie das Areal nachhaltig, wirtschaftlich sinnvoll und zukunftsfähig entwickelt werden kann.
„Der Industriepark Biblis hat das Potenzial, ein echtes Leuchtturmprojekt für unsere Region zu werden und ein Vorbild für nachhaltige Standortentwicklung in Deutschland“, betont Landrat Christian Engelhardt. „Wir wollen die Chancen, die sich aus dieser Entwicklung ergeben, gezielt nutzen, um ein breites wirtschaftliches Umfeld zu schaffen – mit weiteren Unternehmen, Innovationen und Arbeitsplätzen. Damit setzen wir konsequent unsere Zukunftsvision von Hightech im ländlichen Raum um.“
Das ehemalige Kraftwerksgelände zählt zu den größten zusammenhängenden industriellen Entwicklungsflächen in Hessen. Seine Lage am Rhein, die gute Straßen- und Schienenanbindung sowie die vorhandenen Energieinfrastrukturen bieten besondere Voraussetzungen für industrielle Ansiedlungen und technologieorientierte Nutzungen. Bereits frühzeitig hatte der Kreis Bergstraße die Chancen erkannt, die sich aus der Entwicklung von Zukunftstechnologien am Standort Biblis ergeben. Er brachte die relevanten Akteure zusammen, initiierte den gemeinsamen Prozess und begleitete die Ausschreibung sowie die Vergabe der Machbarkeitsstudie federführend. Gerade vor dem Hintergrund knapper Gewerbeflächen in der Region eröffnet sich damit eine einzigartige Chance für die wirtschaftliche Entwicklung von Biblis und des gesamten Kreises Bergstraße.
Die Machbarkeitsstudie soll bis Ende 2026 belastbare Handlungsempfehlungen für die zukünftige Entwicklung des Industrieparks liefern. Dabei werden bestehende Potenziale und Herausforderungen ebenso untersucht wie mögliche Nachnutzungsszenarien, infrastrukturelle Voraussetzungen und zusätzliche gewerbliche Flächen außerhalb des bisherigen Kraftwerkszauns. Auf Grundlage der Analysen entwickelt das beauftragte Unternehmen Arcadis verschiedene Szenarien, die anschließend hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit und Umsetzbarkeit bewertet werden. Den Abschluss bildet ein städtebauliches Entwicklungskonzept.
Ein wichtiger Impuls für den Standort ist die Ansiedlung des Unternehmens Focused Energy, das in Biblis Technologien zur laserbasierten Kernfusion weiterentwickeln will. Die Kooperationspartner verfolgen jedoch bewusst einen breiteren Ansatz: Ziel ist es, rund um den Standort ein zukunftsfähiges Wirtschaftsökosystem aufzubauen, das weitere Unternehmen, Forschung, Innovation und qualifizierte Arbeitsplätze in die Region bringt.
Bereits 2023 hatten sich Kreis Bergstraße, Gemeinde Biblis, RWE und die Wirtschaftsförderung Bergstraße zusammengeschlossen, um die Nachnutzung des Areals gemeinsam voranzutreiben. Im Jahr 2024 wurde die Zusammenarbeit mit einer Kooperationsvereinbarung verbindlich festgehalten. Der Kreis Bergstraße hatte dabei frühzeitig wichtige Impulse gesetzt, die beteiligten Akteure zusammengebracht sowie die Ausschreibung und Vergabe der Machbarkeitsstudie maßgeblich begleitet.
„Die Machbarkeitsstudie ist ein wichtiger Baustein für die Zukunft des Kraftwerksstandorts Biblis. Die Ergebnisse werden uns dabei helfen, zu erkennen, welche Möglichkeiten für eine nachhaltige Nachnutzung des Areals bestehen und wie wir als Gemeinde diesen Prozess bestmöglich unterstützen können,“ unterstreicht Bürgermeister Konstantin Großmann.
Auch Ralf Stüwe von RWE verweist auf die besondere Ausgangslage des Standorts: „Biblis war ein vitaler Energiestandort und soll es auch in Zukunft bleiben. Die vorhandenen kerntechnischen Gebäude und eine gut ausgebaute Infrastruktur – etwa die Netzanschlüsse – schaffen ideale Voraussetzungen für energiewirtschaftliche Nachnutzungen.“
„Mit der Machbarkeitsstudie soll die Grundlage geschaffen werden, dieses Potenzial zu erschließen und zu maximieren. Ziel muss eine Entwicklung sein, die wirtschaftliche Wertschöpfung, Arbeitsplätze, Innovation, Forschung und ökologische Verantwortung bestmöglich miteinander verbindet und so die Zukunftsfähigkeit unserer Region nachhaltig stärkt,“ ergänzt Dr. Matthias Zürker, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Bergstraße GmbH.

