Kreis Bergstraße (kb). Es bleibt ein oft unterschätztes Risiko: Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache bei Frauen – nicht Krebserkrankungen. Im Jahr 2024 starben in Deutschland rund 178.000 Frauen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen – das entspricht etwa 35 Prozent aller weiblichen Todesfälle. Deshalb hat das Präventionsteam des Kreises gemeinsam mit dem Frauenbüro der Kreisverwaltung und weiteren Partnern die Aktionsreihe „Frauenherzen schlagen anders“ ins Leben gerufen. Nach einem Pressegespräch zum bundesweiten #GoRedDay sowie einer Aufklärungsaktion im REWE Center Heppenheim fand nun ein weiteres Pressegespräch statt, diesmal mit dem Schwerpunkt “ Auswirkungen der Wechseljahre auf die Herzgesundheit von Frauen“.
„Mit unserer Aktionsreihe wollen wir einen niedrigschwelligen Zugang zu Informationen zu diesem nach wie vor tabuisierten Thema schaffen. Die Wechseljahre können die Gesundheit von Frauen erheblich beeinflussen, denn die hormonellen Veränderungen während der Menopause können das Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen zusätzlich erhöhen. Deshalb ist es uns ein großes Anliegen, über diesen Lebensabschnitt, den jede Frau durchläuft, aufzuklären und für gezielte Vorsorgemaßnahmen zu sensibilisieren“, erklärt die Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Angelika Beckenbach.
Normalerweise werden die Gefäße von Frauen durch Östrogene geschützt. In den Wechseljahren sinkt jedoch der Östrogenspiegel. Dadurch geht die schützende Wirkung der Hormone verloren, die Gefäße versteifen sich, und das Risiko für Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte und damit Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt deutlich an. Herz-Kreislauf-Erkrankungen treten gehäuft nach der Menopause beziehungsweise ab dem 60. Lebensjahr auf. Im Vergleich zu Männern haben Frauen dabei eine schlechtere Überlebensrate. Gründe dafür sind auch eine häufig falsche eigene Einschätzung der Beschwerden.
„Ein Drittel unseres Lebens verbringen wir in der Menopause. Wir leben zwar länger als Männer, aber etwa 19,6 Jahre in einem gesundheitlich schlechteren Zustand“, erklärt Dr. Cordula Müller, Chefärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe am Kreiskrankenhaus Bergstraße. Sie empfiehlt, daß jede Frau ab den Wechseljahren mindestens jährlich den Cholesterinspiegel und den Blutdruck überprüfen lässt und Risikofaktoren wie Übergewicht, Nikotin und Bewegungsmangel bewusst entgegen steuert. „Veränderungen wirken sich bei Frauen oft deutlich schneller risikoerhöhend aus“, ergänzt sie.
Zu den Symptomen der Wechseljahre zählen neben den typischen Hitzewallungen auch Erschöpfung, Gewichtszunahme, Vergesslichkeit, Ängste, Herzstolpern, Herzrasen, Brain Fog sowie Schlafstörungen. Wer diese Anzeichen frühzeitig erkennt, kann durch eine Anpassung des Lebensstils und weitere Behandlungsmaßnahmen – etwa eine Hormontherapie – auch die Herzgesundheit positiv beeinflussen. Gerade in der Phase des hormonellen Umbruchs könne eine Hormontherapie eine schützende Wirkung entfalten.
Wichtig ist, Symptome nicht ausschließlich als typische Wechseljahresbeschwerden abzutun, sondern die Herzgesundheit aktiv im Blick zu behalten. Wer unter anhaltenden oder starken Beschwerden wie Engegefühlen in der Brust, Schwindel, Oberbauch- oder Rückenschmerzen, Atemnot, Herzrasen oder Herzstolpern leidet, sollte diese ärztlich abklären lassen. Solche Warnsignale können auf ein belastetes Herz hinweisen.
Weitere Informationen zur Frauenherzgesundheit gibt es unter https://herzstiftung.de/frauenherzen.

