Kreis Bergstraße (kb). Wenn Augen jucken, die Nase läuft und jeder Spaziergang zur Belastungsprobe wird, ist für viele Menschen klar: Die Pollensaison ist da. Doch Heuschnupfen ist weit mehr als ein lästiger Begleiter des Frühjahrs. Wie stark Allergien den Alltag beeinflussen können, welche Rolle Umwelt- und Klimaveränderungen dabei spielen und warum eine frühzeitige Diagnose wichtig ist, stand im Mittelpunkt eines gemeinsamen Pressegesprächs von Landrat Christian Engelhardt gemeinsam mit einer Expertenrunde und dem Präventionsteam des Kreises Bergstraße.
In Deutschland ist allergischer Schnupfen weit verbreitet: Laut dem Bundesministerium für Gesundheit hat in Industrieländern wie Deutschland etwa ein Viertel der Bevölkerung einen allergischen Schnupfen. Ausgelöst werden die Beschwerden durch eine allergische Reaktion der oberen Atemwege auf Pflanzenpollen in der Luft. Typische Symptome sind unter anderem Niesen, eine laufende oder verstopfte Nase, juckende und tränende Augen sowie bei manchen Betroffenen auch Husten, Kurzatmigkeit oder pfeifende Atmung.
„Allergien betreffen sehr viele Menschen – auch hier bei uns im Kreis Bergstraße. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie belastend Heuschnupfen sein kann. Gleichzeitig zeigt das Thema, wie eng Gesundheit, Umwelt und Nachhaltigkeit miteinander verbunden sind: Der Klimawandel verändert und verlängert Pollenflugzeiten und kann Beschwerden verstärken. Deshalb ist Aufklärung so wichtig – damit Betroffene Symptome ernst nehmen, frühzeitig medizinischen Rat suchen und ihre Lebensqualität erhalten können“, betonte Landrat Christian Engelhardt.
Der Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Allergologe Dr. Wolfram Hess ordnete den medizinischen Blick auf Allergien ein. Im Mittelpunkt stand dabei auch, warum eine frühzeitige Diagnose und Therapie wichtig sind: Denn allergischer Schnupfen kann sich nach einigen Jahren zu allergischem Asthma entwickeln. In der Fachsprache wird dabei häufig vom sogenannten „Etagenwechsel“ gesprochen. Gemeint ist die Ausbreitung allergischer Entzündungen von den oberen Atemwegen – also Nase und Nasennebenhöhlen – auf die Bronchien. Dann können zusätzlich asthmatische Beschwerden wie Husten, Atemnot, Giemen oder ein Engegefühl in der Brust auftreten.
Eine mögliche langfristige Behandlung von Heuschnupfen ist die Hyposensibilisierung, auch spezifische Immuntherapie genannt. Dabei wird das Immunsystem schrittweise an das auslösende Allergen gewöhnt. Die Wirksamkeit dieser Therapie bei Pollenallergien gilt als gut dokumentiert; möglich sind unter anderem die subkutane Immuntherapie mit Spritzen sowie die sublinguale Therapie mit Tropfen oder Tabletten. Beide Behandlungsformen dauern in der Regel etwa drei Jahre, erste Wirkungen können sich bereits in der ersten Pollensaison zeigen.
Apotheker Wolfgang Kempf erläuterte ergänzend, welche Medikamente Beschwerden lindern können und worauf Betroffene achten sollten. So kommen bei Heuschnupfen unter anderem Antihistaminika, kortisonhaltige Nasensprays, Augentropfen, Tabletten oder weitere Präparate in Frage. Wichtig bleibt jedoch: Beschwerden sollten unbedingt ärztlich abgeklärt werden, statt sich allein auf eigene Recherche, Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung zu verlassen.
Auch einfache Alltagstipps können helfen, die Pollenbelastung zu verringern und eine erste Abhilfe schaffen: Wie etwa Kleidung nach Aufenthalten im Freien wechseln, Haare vor dem Schlafengehen waschen, Bettwäsche regelmäßig wechseln, Pollenfilter in Auto und Wohnung nutzen beziehungsweise regelmäßig wechseln sowie Pollenflug-Apps oder Vorhersagen beachten. Zudem kann gezieltes Lüften helfen – in der Stadt eher morgens, auf dem Land eher abends.

