Kreis Bergstraße (kb). Stimmen verschwimmen, Gespräche werden anstrengender, der Fernseher wird lauter: Hörverlust entwickelt sich häufig schleichend – und wird deshalb oft erst spät bemerkt. Genau darum ging es bei einer Informationsveranstaltung des Kreises Bergstraße und der Katholischen Pfarrei Hl. Marianne Cope Heppenheim. Verschiedene Referenten informierten dabei über Altersschwerhörigkeit, Prävention, Behandlungsmöglichkeiten und moderne Hörhilfen.
„Gutes Hören ist eine wichtige Voraussetzung für Lebensqualität, soziale Teilhabe und Selbstständigkeit – gerade im Alter. Deshalb ist es wichtig, Hörverlust nicht als bloße Alterserscheinung abzutun, sondern frühzeitig hinzuschauen und Hilfe anzunehmen“, betonte die Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Angelika Beckenbach. „Die Veranstaltung hat gezeigt, wie groß der Informationsbedarf ist. Vielen Dank an alle Fachleute und Mitwirkende, die dieses wichtige Thema verständlich und praxisnah aufgegriffen haben.“
Wie verbreitet Schwerhörigkeit ist, zeigen aktuelle Fachinformationen: In Deutschland ist etwa jeder siebte Erwachsene betroffen; in der Altersgruppe ab 65 Jahren ungefähr jeder zweite. Altersschwerhörigkeit beginnt häufig etwa ab dem 50. Lebensjahr, wenn die natürliche Leistungsfähigkeit des Gehörs auf beiden Ohren nachlässt. Ursache sind unter anderem Verschleißerscheinungen an den Haarzellen des Innenohres sowie Veränderungen an Hörnerv und Hörzentrum.
Dr. Jérôme Servais, Chefarzt der HNO-Klinik am Heilig-Geist Hospital Bensheim, machte in der Gesprächsrunde deutlich, dass Hören ein zentrales Sinnesorgan ist. Zugleich verlaufe Schwerhörigkeit mit zunehmendem Alter meist schleichend – oft bemerke zuerst das Umfeld Veränderungen, etwa häufiges Nachfragen oder einen lauter gestellten Fernseher.
Auch Jens Herrmann-Geiger, Hörakustiker und Filialleiter der Hörwelt Heeg GmbH & Co. KG in Dossenheim, warb dafür, das eigene Hörvermögen frühzeitig überprüfen zu lassen. Was einmal verloren sei, könne nicht wiederhergestellt werden. Erste Anzeichen seien unter anderem ein erhöhter Konzentrationsaufwand beim Verstehen in geräuschvoller Umgebung, wiederholtes Nachfragen oder eine höhere Lautstärke bei Telefon und Fernseher.
Ein weiterer Schwerpunkt war der Zusammenhang zwischen unbehandeltem Hörverlust, sozialem Rückzug und geistiger Gesundheit. Unbehandelte Altersschwerhörigkeit kann laut der beiden Experten unter anderem sozialen Rückzug, Unsicherheit im Alltag sowie vorzeitigen geistigen Abbau bis hin zur Demenz begünstigen.
Umso wichtiger sei daher die Prävention, die nicht erst im Alter beginne. Die Fachleute empfehlen, das Gehör bereits in jungen Jahren konsequent zu schützen: Bei starker Lärmbelastung – etwa beim Arbeiten mit lauten Maschinen, beim Heimwerken, auf Konzerten oder in anderen lauten Umgebungen – sollte Gehörschutz getragen werden. Auch Musik über Kopfhörer sollte nicht dauerhaft zu laut gehört werden. Zur Ohrpflege raten Expertinnen und Experten außerdem davon ab, Wattestäbchen tief in den Gehörgang einzuführen. Stattdessen reicht in der Regel eine sanfte Reinigung der Ohrmuschel, etwa mit einem weichen Tuch nach dem Duschen. Wichtig sei zudem, Veränderungen ernst zu nehmen: Wer häufiger nachfragt, Gespräche in lauter Umgebung nur noch mit Mühe verfolgt oder Fernseher und Telefon deutlich lauter stellt, sollte sein Hörvermögen überprüfen lassen.

