Zeitungsstapel vor hellem Hintergrund

Früh Hilfe suchen, bevor Probleme wachsen: Erziehungsberatungsstellen bleiben stark gefragt


Kreis Bergstraße (kb). Erziehungsfragen, Konflikte, Scheidung: Die Beratungsstellen für Eltern, Kinder und Jugendliche des Kreises Bergstraße leisten wichtige Arbeit. Sie unterstützen bei der Klärung und Bewältigung individueller und familienbezogener Probleme und Konflikten. Im Kreis Bergstraße setzen drei Erziehungsberatungsstellen diesen gesetzlichen Auftrag um: die Beratungsstellen in Bensheim und Lampertheim (mit Außenstelle Viernheim) in Trägerschaft des Kreises und die Beratungsstelle Fürth (mit Außenstellen Heppenheim und Wald-Michelbach) in Trägerschaft des Caritasverbandes Darmstadt, mit dem der Kreis eng und vertraglich vereinbart kooperiert. Auch im vergangenen Jahr wurden die Leistungen der Beratungsstellen von den Bergsträßerinnen und Bergsträßern intensiv in Anspruch genommen.

Wie aus dem Jahresbericht herausgeht, blieben die Zahlen auf einem ähnlich hohen Niveau mit 2.469 Fällen (2024: 2.436). Davon entfielen 837 Fälle auf die Beratungsstelle in Bensheim, 836 auf Lampertheim und 796 auf die Beratungsstelle in Fürth. Die Erste Kreisbeigeordnete und für das Thema zuständige Dezernentin Angelika Beckenbach appelliert bei der Pressekonferenz an die Bürgerinnen und Bürger: „Am besten sollte man sich zu einem frühen Zeitpunkt Hilfe suchen, sobald Familienmitglieder das Gefühl haben, dass sie Unterstützung benötigen. Denn dann haben sich die Problemlagen noch nicht verfestigt.“

Während die Fallzahlen weitgehend konstant geblieben sind, verändern sich die Beratungsanliegen deutlich. „Wir stellen fest, dass die Problemlagen der Menschen, die Rat und Unterstützung suchen, komplexer geworden sind“, erklärt Frank Occhionero, Leiter der Erziehungsberatungsstelle in Lampertheim. Viele Familien seien zunehmend verunsichert. Gründe dafür seien unter anderem gesellschaftliche Werteverschiebungen, die zunehmende Vielfalt der Lebenswelten, die angespannte weltpolitische Lage sowie wirtschaftliche Unsicherheiten.

Zu den häufigsten Beratungsanlässen zählten im vergangenen Jahr familiäre Konflikte – insbesondere im Zusammenhang mit Trennung, Scheidung oder belasteten Eltern-Kind-Beziehungen (1.010 Fälle). Hinzu kamen eingeschränkte Erziehungskompetenzen der Eltern oder Sorgeberechtigten (451 Fälle), Entwicklungsauffälligkeiten oder seelische Belastungen junger Menschen (438 Fälle) sowie Auffälligkeiten im sozialen Verhalten von Kindern und Jugendlichen (270 Fälle).

Die Beratungsstellen bieten Familien in solchen Situationen einen geschützten Raum, um Belastungen anzusprechen, neue Perspektiven zu entwickeln und individuelle Lösungswege zu finden. „Bei Trennung oder Scheidung bieten wir beispielsweise spezielle Gruppenangebote für Grundschulkinder an. Dort können sie gemeinsam mit anderen betroffenen Kindern lernen, ihre Erfahrungen zu verarbeiten und mit der veränderten Familiensituation besser umzugehen“, erläutert Hannah Güneş, Leiterin der Erziehungsberatungsstelle in Bensheim.

Auch Eike Christian Wiesner, Leiter der Erziehungsberatungsstelle in Fürth beim Caritasverband Darmstadt, beobachtet eine anhaltend hohe Nachfrage: „Seit der Corona-Pandemie verzeichnen wir rund ein Viertel mehr Beratungsfälle. Zu uns kommen Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen mit ganz unterschiedlichen Fragestellungen und Unterstützungsbedarfen. Wir helfen direkt in unseren Beratungsstellen und greifen dabei auf ein starkes Netzwerk weiterer Hilfsangebote zurück. Deshalb empfehlen wir: Nehmen Sie frühzeitig Kontakt mit uns auf – idealerweise zunächst telefonisch.“

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der drei Erziehungsberatungsstellen beraten bei Erziehungs- und Familienfragen sowie bei Entwicklungs- und Verhaltensauffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen. Darüber hinaus unterstützen sie bei sozialen und psychischen Belastungen sowie bei Problemen im Kindergarten oder in der Schule. Durch die enge Zusammenarbeit mit weiteren Einrichtungen können Betroffene bei Bedarf unkompliziert an passende Hilfsangebote vermittelt werden. Sämtliche Beratungen erfolgen kostenlos, streng vertraulich und unterliegen der gesetzlichen Schweigepflicht. Alle weiteren Informationen sowie Öffnungszeiten der Beratungsstellen finden Sie hier: https://www.kreis-bergstrasse.de/unser-buergerservice/familie-jugend-senioren/familienbegleitende-dienstleistungen/erziehungsberatungsstellen/.