Kreis Bergstraße (kb). Die Bauarbeiten zur grundhaften Erneuerung der Wehrbrücke in Hirschhorn sind so gut wie abgeschlossen. Die Brücke wird am Montag, den 28. September 2026, um 15 Uhr wieder für den Verkehr freigegeben. Hierzu werden Landrat Christian Engelhardt, Bürgermeister Martin Hölz sowie Arno Krämer von Hessen Mobil vor Ort sein. Aktuell erfolgen Restarbeiten sowie der Rückbau der Baustelleneinrichtung und Reinigungsarbeiten. Auch die Behelfszufahrt über die Brentanostraße wird im Zuge der Verkehrsfreigabe aufgehoben. Ab Dienstag, den 29. September 2026, können auch die ÖPNV-Verbindungen wieder wie üblich über die Wehrbrücke laufen.
„Ich weiß, dass die Sperrung der Brücke für die Hirschhorner und Besucher eine große Belastung war und dies – ungeplant und ursprünglich nicht absehbar – über mehr als vier Jahre. Daher bin ich sehr froh, dass der Verkehr an dieser Stelle nun wieder über den Neckar rollen kann“, betont Landrat Christian Engelhardt. „Ich lade alle Interessierten herzlich ein, bei der Verkehrsfreigabe dabei zu sein.“
Martin Hölz, Bürgermeister Stadt Hirschhorn: „Die Wiedereröffnung der Wehrbrücke in Hirschhorn bedeutet das Ende einer langjährigen Geduldsprobe und ist ein Moment des Aufatmens für die Stadt. Mir ist bewusst, dass den Bürgerinnen und Bürgern, den lokalen Gewerbetreibenden und allen Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmern in den vergangenen Jahren enorm viel abverlangt wurde. Umso größer ist heute die Erleichterung, dass diese zentrale Verbindung wieder ihrer Bestimmung übergeben werden kann. Mein Dank gilt allen, die trotz der vielen Rückschläge an der Fertigstellung gearbeitet haben.“
„Die Instandsetzung einer großen Brücke ist vergleichbar mit der Restauration eines Oldtimers“, resümiert Andreas Körbel (Projektleiter, Hessen Mobil). „Man sieht viele Schäden leider erst genau, wenn man bei der Restauration Teile freigelegt hat“. Arno Krämer (Fachdezernatsleiter, Bau Hessen Mobil) führt aus: „Durch die erforderliche Sanierung der zahlreichen Schäden, die erst während dem Bau zu Tage getreten sind, hat sich die Bauzeit gegenüber dem ursprünglichen Ansatz deutlich verlängert. Dies hat zu großen Belastungen aller Anlieger und Gewerbetreibenden in Hirschhorn und Ersheim geführt, wofür Hessen Mobil nochmals um Verständnis bittet. Unser Dank gilt auch der Stadt Hirschhorn für die gute Zusammenarbeit während der gesamten Bauzeit“.
Zur Baumaßnahme
Neben der Verbindungsfunktion zwischen den beiden Hirschhorner Stadtteilen dient die Wehrbrücke zur Anbindung des Flusskraftwerks der Neckar AG, als Revisionsweg zu den Wehrpfeilern und als Leitungsbrücke für Wehr- und Kraftwerksbetreiber sowie den verschiedenen Versorgungsunternehmen. Die Wehrbrücke wurde im Zuge der Errichtung der Neckarstaustufe Hirschhorn in den Jahren 1931 bis 1935 als genietete Stahlkonstruktion errichtet und 1979/1980 umgebaut und erweitert. Die Wehrbrücke setzt sich aus zwei Teilbrücken zusammen, der zweifeldrigen Schleusenbrücke auf der Seite Ersheims und der namensgebenden dreifeldrigen Wehrbrücke auf Hirschhorner Seite.
Beide Stahlkonstruktionen besitzen einen offenen Querschnitt aus einem zweistegigen Plattenbalken und einer orthotropen Fahrbahnplatte aus Stahl. Die Wehrbrücke wies sichtbare Korrosionsschäden an der Überbaukonstruktion und insbesondere eine Spaltkorrosion an den Verstärkungsblechen der Längsträgeruntergurte auf. Hier wölbten sich die Stahllaschen infolge der Volumenvergrößerung des rostenden Stahls auf.
Da die Spaltkorrosion weiter fortschritt und sich der Druck auf die Verstärkungsbleche weiter erhöhte, bestand für die Instandsetzung der Längsträgeruntergurte der Brücke ein dringender Handlungsbedarf. Um die Verkehrssicherheit und die Standsicherheit des Bauwerks dauerhaft zu gewährleisten, wurde die nun fertiggestellte Baumaßnahme zwingend erforderlich. Zur Beseitigung der Spaltkorrosion an den Brückenträgern wurden die Verstärkungsbleche an den Längsträgeruntergurten sowohl in den einzelnen Brückenfeldern als auch über den Innenstützungen ausgebaut und erneuert. Hierfür mussten an den Hauptträgern mehrere hundert Nieten aus der Stahlkonstruktion gelöst werden. Bevor die Hauptträgerbleche demontiert werden konnten, musste dann das jeweilige Brückenfeld und der Hauptträger statisch über eine Hilfskonstruktion auf der Brücke entlastet werden. Hierfür waren aufwendige Auswechsel- und Gerüstbauten erforderlich. Im Zuge der Arbeiten waren zudem weitere Korrosionsschäden, sowie ein asbesthaltiger Anstrich in der Beschichtung der Fahrbahntafel gefunden worden, die im Zuge der bauvorbereitenden Untersuchungen nicht zu erkennen waren. Der Abtrag und die Entsorgung des asbesthaltigen Materials, sowie das aufwendige Abstrahlen der alten und Auftragen der neuen Beschichtung sorgten für einen erheblichen Mehraufwand, so dass sich die Maßnahme deutlich verlängerte. Mit dem jetzigen Abschluss der anspruchsvollen Instandsetzungsarbeiten ist die Wehrbrücke nachhaltig ertüchtigt und für ihre vielfältigen Aufgaben langfristig sicher gerüstet.
Die Sanierungsarbeiten haben insgesamt rund 11 Millionen Euro gekostet.
Lfd. Nr. 273 / 2026

