Kreis Bergstraße (kb). Das Konsortium aus den Unternehmen Focused Energy und Marvel Fusion, das für seine Forschungsarbeit das ehemalige AKW-Gelände in Biblis nutzen wird, erhält für den Aufbau eines deutschen Laserfusion-Forschungszentrums (Laserfusion Hub) eine Förderung des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Hierfür hatte sich das Konsortium gemeinsam mit Partnern (unter anderem mit der TU Darmstadt und RWE) beworben. Mit bis zu 125 Millionen Euro wird die Bundesregierung nun sowohl die Errichtung und das Management von insgesamt drei Hub-Strukturen als auch Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zur Weiterentwicklung der zukunftsträchtigen Technologien fördern. Beispielsweise sollen Test- und Messinfrastrukturen ausgebaut, Fachkräfte ausgebildet und industrielle Wertschöpfungsketten aufgebaut werden. Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, die Ansiedlung weiterer Unternehmen, den Aufbau von Zuliefer- und Wertschöpfungsketten stehen ebenso auf der Agenda. Das gemeinsame Ziel ist es, dass in Biblis das weltweit erste Kernfusion-Kraftwerk entsteht und dass dieses zuverlässig und nachhaltig Strom produziert.
Landrat Engelhardt begrüßt den Erfolg von Focused Energy und Marvel Fusion im Fusion-Hub-Wettbewerb des Bundes: „„Die heutige Entscheidung ist eine hervorragende Nachricht für Biblis, den Kreis Bergstraße, Hessen und den Innovationsstandort Deutschland. An der Bergstraße entsteht damit ein Schlüsselstandort für die Energieversorgung der Zukunft.“ Die Bedeutung dieser Entscheidung könne kaum überschätzt werden. Denn: „Hier handelt es sich nicht um ein einzelnes Forschungsprojekt, sondern um die Entstehung eines ganzen Innovationzentrums“, hebt Engelhardt hervor. „Damit eröffnen sich auch große Chancen für unsere Region. Es werden sich weitere Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit hochqualifizierten Arbeitsplätzen ansiedeln und eine imposante industrielle Infrastruktur entsteht. Innovationen entstehen dort, wo zielgerichtete Forschung, innovatives Unternehmertum, leistungsfähige Mitarbeitende und politische Unterstützung zusammenkommen. Genau diese Voraussetzungen sind in Biblis und im Kreis Bergstraße mit seiner idealen Lage inmitten der Metropolregionen vorhanden.“
Seit Jahren setzt sich der Kreis Bergstraße gemeinsam mit dem Land Hessen, der Gemeinde Biblis, beteiligten Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen für eine hochwertige Nachnutzung des ehemaligen Kernkraftwerksstandorts ein. Bereits früh hatte sich Landrat Engelhardt dafür ausgesprochen, den Standort als Zentrum für Zukunftstechnologien zu entwickeln. Mit dem jüngsten Erfolg erhält dieser Ansatz nun weiteren Rückenwind. „Als wir 2022 die ersten Gespräche zwischen Focused Energy und RWE angestoßen haben, ging es zunächst darum, die Potenziale des Standorts Biblis aufzuzeigen und die richtigen Akteure zusammenzubringen. Dass daraus heute ein bundesweit beachtetes Fusionsvorhaben mit einem erfolgreichen Hub-Antrag geworden ist, zeigt, wie wichtig aktive Standortpolitik für Deutschland ist – auch um innovative Unternehmen im Land zu halten“, betont Landrat Engelhardt.
Besonders dankbar zeigt sich Engelhardt für die Unterstützung des Landes Hessen: „Mein besonderer Dank gilt dem Land Hessen, insbesondere Ministerpräsident Boris Rhein und Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori. Hessen hat früh erkannt, welches Potenzial die Kernfusion für die Energieversorgung der Zukunft besitzt und den Aufbau dieses Zukunftsfeldes mit konkreten Maßnahmen unterstützt.“ Ein starkes Signal sei insbesondere die Landes-Förderung von Focused Energy mit 32 Millionen Euro gewesen. Dies habe wesentlich dazu beigetragen, die Laserfusions-Forschung im Land Hessen und in Biblis voranzutreiben. Die jetzige Entscheidung des Bundes sei nun ein weiterer Schritt, um Hessen als Leitstandort für Kernfusion zu etablieren. Das Unternehmen Focused Energy plant nach eigenen Angaben in Biblis in den kommenden zwei Jahren Investitionen von 200 Millionen Euro. Bis 2030 sollen rund 500 Millionen Euro investiert werden.
Hintergrund:
Die Bundesförderung erfolgt im Rahmen des Programms „Hubs für die Fusion“ des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR). Der Bund richtet bundesweit insgesamt drei Hubs mit unterschiedlichen technologischen Schwerpunkten ein: einen Hub für Laserfusion, einen Hub für Magnetfusion (Stellarator) sowie einen Hub für Brennstoffkreislauf und Materialentwicklung. Ziel des Programms ist es, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und weitere Akteure in leistungsfähigen Innovationsökosystemen zusammenzuführen und die Voraussetzungen für den Bau eines ersten Fusionskraftwerks in Deutschland zu schaffen.

