Zeitungsstapel vor hellem Hintergrund

Für kühle Köpfe auch an heißen Schultagen


Kreis Bergstraße (kb). Der Kopf glüht, die Konzentration lässt nach: Hohe Temperaturen machen das Lernen für Schülerinnen und Schüler zunehmend zur Herausforderung. Der Rekordsommer 2026 hat dabei deutlich gemacht, dass die bisherigen Maßnahmen zum passiven Hitzeschutz bei langanhaltender Hitze an ihre Grenzen kommen können. Der Kreis Bergstraße entwickelt deshalb seine bisherige Strategie weiter.

„Wir haben uns in den vergangenen Jahren bewusst dafür entschieden, unsere Gebäude möglichst klimafreundlich und nachhaltig weiterzuentwickeln. Unser Ansatz war dabei, Schulen so zu bauen und zu sanieren, dass möglichst wenig zusätzliche Kühlenergie notwendig ist. Dieser passive Hitzeschutz war und ist sinnvoll. Aber der Rekordsommer 2026 hat uns gezeigt: Wenn sich Gebäude über mehrere Tage immer weiter aufheizen und auch die Nächte kaum Abkühlung bringen, müssen wir zusätzliche Lösungen finden“, erklärt Landrat Christian Engelhardt.

Bislang setzt der Kreis bei Sanierungen und Neubauten unter anderem auf Verschattungen, optimierte Fensterflächen und Sonnenschutz sowie moderne Lüftungssysteme. Gerade zentrale Lüftungsanlagen können Gebäude in kühleren Nächten mit Außenluft durchströmen und so herunterkühlen. Auch an bestehenden Schulen wurden Verschattungsmöglichkeiten nachgerüstet. Eine Aufgabe, die insbesondere bei teilweise denkmalgeschützten Gebäuden technisch anspruchsvoll ist. Gleichzeitig setzt der Kreis, wo dies technisch möglich ist, auf regenerative Heizsysteme und investiert seit Jahren erhebliche Summen in Photovoltaikanlagen auf Schulen und anderen Kreisgebäuden. Auf den flächendeckenden Einbau klassischer Klimaanlagen wurde bislang bewusst verzichtet, da diese viel Energie benötigen.

Nun soll geprüft werden, wie dieser passive Hitzeschutz sinnvoll durch aktive Kühlung ergänzt werden kann. Dabei stehen verschiedene technische Möglichkeiten zur Diskussion. Neben klassischen oder zentralen Klimaanlagen soll beispielsweise bei Gebäuden mit Fußbodenheizung untersucht werden, ob vorhandene Leitungssysteme im Sommer mit kühlem oder gekühltem Wasser betrieben werden können. Auch andere Systeme zur Gebäudekühlung oder Lösungen mit Wasserverdunstung kommen infrage. Welche Technik sich für welches Gebäude eignet, energetisch sinnvoll ist und mit vertretbarem Aufwand den größten Effekt erzielt, sollen nun die Fachleute des Kreises untersuchen.

„Wir müssen genau schauen, wo die Hitzebelastung besonders hoch ist, welche Gebäude besonders betroffen sind, wo ohnehin Sanierungen anstehen und mit welchen Maßnahmen wir möglichst schnell eine spürbare Verbesserung für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte erreichen. Daraus wollen wir ein Prioritätenkonzept und einen mehrjährigen Investitionsplan entwickeln,“ betont Landrat Engelhardt.

Einen weiteren Schritt hat der Kreis bereits veranlasst: Bei den Schulbauprojekten, die derzeit geplant werden, soll ab sofort die technische Möglichkeit für eine Klimatisierung mit vorgesehen und geprüft werden. „Wenn wir heute eine Schule bauen oder grundlegend sanieren, müssen wir sie für die klimatischen Bedingungen der nächsten Jahrzehnte planen und nicht für die Temperaturen von gestern“, so der Landrat. Als Schulträger für 75 Schulen könne der Kreis allerdings nicht sämtliche Standorte innerhalb eines Sommers klimatisieren. Neben den Investitionen müsse zudem berücksichtigt werden, dass auch der spätere Betrieb aktiver Kühlsysteme Energie und damit Geld kostet.

Dabei können die Investitionen der vergangenen Jahre in Photovoltaik einen Beitrag leisten: Mehrere Millionen Euro hat der Kreis bereits in entsprechende Anlagen auf seinen Schulen investiert. Gerade an heißen und sonnigen Tagen erzeugen diese viel Strom. Einen erheblichen Teil der für den Schulbetrieb benötigten Energie kann der Kreis damit auf den eigenen Schuldächern erzeugen, für eine flächendeckende Kühlung reicht diese jedoch nicht aus. „Für mich zeigt das, wie Klimaschutz und Klimafolgenanpassung zusammengehören. Wir müssen weiter dafür sorgen, dass unsere Gebäude möglichst wenig Energie verbrauchen und sich möglichst wenig aufheizen. Gleichzeitig müssen wir akzeptieren, dass sich die klimatischen Bedingungen verändern und wir zusätzliche technische Lösungen brauchen werden“, sagt Landrat Christian Engelhardt.

Sobald das Konzept und die daraus abgeleiteten Prioritäten vorliegen, wird der Kreis über die weiteren Schritte informieren.