Shamonda-Virus


Shamonda-Virus 

Das Shamonda-Virus (SHAV) ist ein durch Gnitzen übertragenes Orthobunyavirus und gehört zur sogenannten Simbu-Serogruppe. Es ist unter anderem mit dem Schmallenberg-Virus verwandt.

Das Virus wurde erstmals Mitte der 1960er-Jahre in Nigeria nachgewiesen. Im Sommer 2026 trat es erstmals in Mitteleuropa auf. Inzwischen wurden Infektionen in Deutschland, der Schweiz und Frankreich festgestellt. In Deutschland hat das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) Nachweise bei Rindern unter anderem aus Baden-Württemberg, Hessen, Bayern, dem Saarland und Sachsen bestätigt. Die Ausbreitung bei empfänglichen Tieren hält an.

Wie wird das Virus übertragen?

Die Übertragung erfolgt nach aktuellem Kenntnisstand sehr wahrscheinlich überwiegend durch Gnitzen (Culicoides). Eine relevante direkte Übertragung von Tier zu Tier ist bislang nicht belegt. Während der Trächtigkeit kann das Virus jedoch vom infizierten Muttertier auf den ungeborenen Nachwuchs übertragen werden.

Für eine klinische Erkrankung des Menschen durch das Shamonda-Virus gibt es bislang keinen Nachweis.


Keine Abteilungen gefunden.

Informationen und Untersuchungsergebnisse

Friedrich-Loeffler-Institut (FLI)


Welche Symptome erzeugt das Virus?

  • Shamonda-Virus beim Rind

    Rinder gelten als wichtige Wirte des Shamonda-Virus. Bei einer akuten Infektion wurden bislang überwiegend milde Symptome wie Fieber, Rückgang der Milchleistung und Durchfall beobachtet.

    Von besonderer Bedeutung ist eine Infektion während der Trächtigkeit. Das Virus kann die Plazenta passieren und den Fetus infizieren. In der Folge können Aborte sowie schwere Schädigungen und Missbildungen des ungeborenen Kalbes auftreten. Beschrieben wurden unter anderem Gelenkversteifungen (Arthrogryposis), Fehlstellungen der Wirbelsäule und des Halses sowie Fehlbildungen des zentralen Nervensystems. Das Krankheitsbild ähnelt damit Infektionen mit dem Schmallenberg- oder Akabane-Virus.

    Das FLI empfiehlt, bei Rindern mit Fieber, Milchleistungsrückgang und Durchfall während der vektoraktiven Zeit eine mögliche Infektion mit dem Shamonda-Virus diagnostisch abklären zu lassen. Auch klinisch auffällige Neugeborene sollten untersucht werden.

  • Shamonda-Virus beim Pferd

    Im August 2026 wurde das Shamonda-Virus zunächst in der Schweiz im Hirnmaterial von zwei verstorbenen Pferden mit neurologischen Symptomen nachgewiesen. Inzwischen hat das FLI auch eine Infektion bei einem Pferd aus Rheinland-Pfalz bestätigt. Das Tier zeigte vor seinem Tod zentralnervöse Störungen. In der Gehirnprobe wurde eine hohe Viruslast festgestellt, wodurch ein Zusammenhang zwischen der SHAV-Infektion und dem klinischen Bild wahrscheinlich erscheint.

    Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die Bedeutung des Shamonda-Virus für neurologische Erkrankungen bei Pferden genauer einzuordnen.

    Bei betroffenen Pferden wurden zunächst häufig Teilnahmslosigkeit und Abgeschlagenheit beobachtet. Im weiteren Verlauf können neurologische Symptome wie ausgeprägte Schläfrigkeit, Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen, ein schwankender oder unsicherer Gang, Muskelzuckungen und eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Berührungen oder anderen Reizen auftreten. Teilweise wurden außerdem Kopfschiefhaltung, unwillkürliche Augenbewegungen und Schielen beschrieben.

    Während einige Pferde offenbar nur mild erkranken und sich wieder erholen, wurden auch schwere neurologische Verläufe beobachtet. Eine spezifische Therapie steht derzeit nicht zur Verfügung. Betroffene Pferde können bislang nur symptomatisch behandelt werden.

  • Shamonda-Virus bei weiteren Tierarten

    Neben Rindern und Pferden wurde SHAV inzwischen auch bei einem Alpaka aus Hessen sowie in Proben von Schafen und Ziegen aus Baden-Württemberg nachgewiesen. Damit liegen Nachweise bei weiteren empfänglichen Tierarten vor. Nähere Untersuchungen, insbesondere genomische Analysen weiterer positiver Proben, sind notwendig, um das Virus und seine Bedeutung für die verschiedenen Tierarten genauer einzuordnen.

Landwirt und Tierarzt im Kuhstall
Insbesondere bei Kühen, Pferden und Schafen konnte das Sharmonda-Virus nachgewiesen werden


Tierseuchenrechtliche Maßnahmen

Aufgrund des erstmaligen Auftretens des Shamonda-Virus in Mitteleuropa bestehen derzeit keine spezifischen tierseuchenrechtlichen Regelungen zum Umgang mit SHAV-Infektionen. Insbesondere besteht bislang keine Meldepflicht, sodass die Erfassung und Meldung bestätigter Fälle in Deutschland derzeit nicht einheitlich geregelt ist. Eine bundesweit einheitliche Erfassung über das Tierseuchennachrichtensystem (TSN) und darauf basierende Verbreitungskarten sind daher aktuell nicht möglich.

Auch spezifische behördliche Bekämpfungsmaßnahmen sind derzeit nicht vorgesehen. Aufgrund der aktuellen Ausbreitung und der noch laufenden wissenschaftlichen Untersuchungen können sich die rechtlichen und fachlichen Vorgaben jedoch kurzfristig ändern.

Schutz und Empfehlungen für Tierhalter

Ein Impfstoff gegen das Shamonda-Virus steht derzeit nicht zur Verfügung. Da die Übertragung überwiegend durch Gnitzen erfolgt, kommt dem Schutz empfänglicher Tiere vor stechenden Insekten während der vektoraktiven Zeit eine besondere Bedeutung zu.

Tierhalter sollten bei entsprechenden Krankheitsanzeichen, Aborten, Totgeburten oder auffälligen Neugeborenen sowie beim Auftreten neurologischer Symptome bei Pferden frühzeitig ihre Tierärztin bzw. ihren Tierarzt kontaktieren.

Da das Shamonda-Virus erst seit kurzem in Mitteleuropa auftritt, bestehen insbesondere hinsichtlich seiner weiteren Verbreitung und seiner Bedeutung für verschiedene Tierarten noch offene Fragen. Die wissenschaftlichen Untersuchungen hierzu dauern an.